{"id":140,"date":"2013-04-25T09:20:49","date_gmt":"2013-04-25T07:20:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.judo-blog.de\/test\/wordpress\/?p=140"},"modified":"2013-04-26T21:46:29","modified_gmt":"2013-04-26T19:46:29","slug":"denk-und-bewegungsmuster-als-schlussel-zum-verstandnis-des-judo-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/technik\/denk-und-bewegungsmuster-als-schlussel-zum-verstandnis-des-judo-2\/","title":{"rendered":"Denk- und Bewegungsmuster als Schl\u00fcssel zum Verst\u00e4ndnis des J\u00fbd\u00f4"},"content":{"rendered":"<p>Moshe Feldenkrais sagte sinngem\u00e4\u00df, da\u00df wir stets dem Bilde nach handeln, das wir uns von uns selbst machen.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber sollten wir gr\u00fcndlich nachdenken, denn dieser Satz ist der Schl\u00fcssel zum Verst\u00e4ndnis des J\u00fbd\u00f4.<br \/>\nWie nehmen wir uns wahr? Sind wir z.B. jederzeit in der Lage, wirklich bewusst wahrzunehmen, wie wir uns bewegen?<\/p>\n<p>Nein, sind wir nicht.<br \/>\nDenn wenn wir es w\u00e4ren, g\u00e4be es weder Haltungssch\u00e4den noch die daraus resultierenden Verschlei\u00dferscheinungen unseres K\u00f6rpers.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nVerschlei\u00df an den Gelenken wird stets durch muskul\u00e4re Dysbalancen verursacht, die im Laufe vieler Jahre chronisch geworden sind. Langes Sitzen in der Schule, gefolgt von langem Sitzen im Auto und im B\u00fcro, bspw. vor dem Computer, f\u00fchrt garantiert zu Fehlhaltungen. Diese Fehlhaltungen entwickeln sich schleichend. Die fehlgestellten, falsch belasteten und dadurch auch falsch arbeitenden Muskeln gew\u00f6hnen sich schnell an dieses Bewegungsmuster &#8211; Muskeln n\u00e4mlich k\u00f6nnen lernen und passen sich an. Und dieses erlernte Bewegungsmuster wird im Gehirn abgespeichert. Damit wird es zur Gewohnheit, um es mal ganz simpel zu formulieren.<\/p>\n<p>Nun geschieht etwas sehr Bemerkenswertes: wir halten dieses abgespeicherte Denk- und damit Bewegungsmuster f\u00fcr \u201cnormal\u201d.<\/p>\n<p>Wir f\u00fchlen uns damit vordergr\u00fcndig sogar \u201cgut\u201d und bringen Gelenkschmerzen und \u00e4hnliche Dinge nicht in Verbindung mit fehlgestellten Gelenken, die durch falsch arbeitende Muskeln in diese Fehlstellung gezwungen wurden. Kurz, wir nehmen einfach nicht wahr, dass und vor allem wie wir unseren K\u00f6rper missbrauchen.<\/p>\n<p>Schmerzen &#8211; also die Symptome &#8211; bek\u00e4mpfen wir, indem wir entweder Schmerzmittel einnehmen oder einen Orthop\u00e4den an der Stelle herumfuhrwerken lassen, an der die Schmerzen auftreten. Und dann wundern wir uns, dass es nicht besser wird.<\/p>\n<p>Wir haben ein kartesianisches Bild unseres K\u00f6rpers gespeichert &#8211; wir betrachten den K\u00f6rper als Maschine, die bei Fehlfunktionen repariert wird. Unserem Auto widmen wir wesentlich mehr Sorgfalt als unserem K\u00f6rper und finden das auch noch normal.<\/p>\n<p>Wir haben nicht gelernt, uns selbst wahrzunehmen, und jene, die das nicht glauben wollen, sind unangenehm \u00fcberrascht, wenn man es ihnen beweisen kann (was im \u00dcbrigen nicht schwer ist). K\u00f6nnten wir uns n\u00e4mlich wirklich selbst wahrnehmen, dann w\u00e4ren wir problemlos in der Lage, alle m\u00f6glichen Bewegungen sofort nachzuahmen.<\/p>\n<p>Wir w\u00e4ren dann in der Lage, erstens unsere Bewegungs- und Denkmuster so zu organisieren, dass wir die vorgegebene Bewegung ohne Schwierigkeiten nachvollziehen k\u00f6nnten, und zweitens g\u00e4be es auch in der konkreten Ausf\u00fchrung keinerlei Probleme. Wir h\u00e4tten keine Blockaden in unseren Muskeln und Gelenken zu verzeichnen &#8230;<\/p>\n<p>Wie wir alle wissen, sieht die Wirklichkeit anders aus. Wer, bitte, ist denn f\u00e4hig, eine J\u00fbd\u00f4-Technik auf Anhieb zu verstehen, nachzumachen und anzuwenden? Eben.<\/p>\n<p>Das wiederum hat sehr viel damit zu tun, wie wir unser Denken organisieren. Richtig: organisieren. Die F\u00e4higkeit der Selbstorganisation steht in Wechselwirkung mit unseren Denkprozessen, und diese wiederum bedingen unsere Bewegungsmuster. Als J\u00fbd\u00f4ka, vor allem als Schwarzgurt, sollte man das wissen, denke ich.<\/p>\n<p>Warum sind eigentlich K\u00e4mpfer, die zwar \u00fcber gewaltige und extrem leistungsf\u00e4hige Muskeln verf\u00fcgen, aber Probleme mit ihrer Selbstwahrnehmung haben, so limitiert?<br \/>\nWarum gibt es eigentlich so wenige K\u00e4mpfer, die wirklich geschmeidig sind?<br \/>\nWarum gibt es so wenige K\u00e4mpfer, die mit einem absoluten Minimum an Aufwand ihre Aktionen durchf\u00fchren und trotzdem gewinnen?<br \/>\nWieso gibt es kaum noch J\u00fbd\u00f4ka, die (wie die alten japanischen Meister) der obersten Maxime des J\u00fbd\u00f4, n\u00e4mlich dem Grundsatz des Seiryoku Zenyo zu folgen verm\u00f6gen?<br \/>\n(Seiryoku Zenyo = minimaler Aufwand bei maximalem Nutzen durch perfektes Ausnutzen der dem Menschen eigenen, begrenzten Energie).<\/p>\n<p>Warum also &#8211; um es auf den Punkt zu bringen &#8211; agieren die allermeisten K\u00e4mpfer immer so ruckartig, ruppig, \u00fcberm\u00e4\u00dfig kraftbetont, hastig und vor allem unflexibel und steif?<\/p>\n<p>Wir alle wissen, da\u00df auf diese Weise immer der gewinnt, der mehr Kraft hat als sein Gegner. Zumindest im J\u00fbd\u00f4 widerspricht das dem vom Gr\u00fcnder formulierten Grundgedanken.<\/p>\n<p>Wie also kann man das \u00e4ndern? Nun, wir m\u00fc\u00dften zun\u00e4chst einmal lernen, zu lernen. Wie bitte? Doch, doch, richtig gelesen. Wir haben nicht wirklich gelernt, zu lernen. <\/p>\n<p>Was wir in der Schule erlebt haben, zielte darauf ab, uns an die gesellschaftliche Ordnung anzupassen. Dabei wurden Ziele und Leistung von au\u00dfen bestimmt, vorgegeben und auch beurteilt, und zwar ausschlie\u00dflich. Individuelle, kreative L\u00f6sungen wurden dabei unterdr\u00fcckt bzw. eingegrenzt. Der schulische Unterrichtsprozess lie\u00df und l\u00e4sst nichts anderes zu.<\/p>\n<p>Wirkliches Lernen im Sinne von \u201cNeuentdeckung\u201d aber setzt voraus, da\u00df man die M\u00f6glichkeit hat, die eigene Neugier (sofern vorhanden) auch auszuleben, und zwar durch das, was man Erkundung nennt. Erst dann kann man komplexe Muster (wie etwa Bewegungen) tats\u00e4chlich erleben und dadurch auch in ihrer Komplexit\u00e4t begreifen. Dabei ist es unausweichlich, dass man zu individuellen L\u00f6sungen, also zu Varianten, also zur Vielfalt gelangt.<\/p>\n<p>Der Unterricht in der Schule bspw. hat das Ziel, eine nicht vom Sch\u00fcler festgelegte Leistungsebene zu erreichen, die durch Lehrer, Politiker und den Zeitgeist determiniert ist. Die dabei vom Sch\u00fcler erbrachte Leistung wird an diesem Ziel gemessen und unterliegt der Belohnung oder Bestrafung durch externe Autorit\u00e4ten.<\/p>\n<p>Lernen im eigentlichen Sinne aber braucht keine externe Autorit\u00e4t, um zu sinnvollen Ergebnissen zu kommen. Wir selbst sind (wenn wir uns ehrlich Rechenschaft ablegen) der einzige Ma\u00dfstab f\u00fcr unsere Lernfortschritte.<\/p>\n<p>Im J\u00fbd\u00f4 bedeutet dies, dass wir den Erwerb neuer Bewegungsmuster (oder auch effektiverer Bewegungsmuster) nur nach folgende Kriterien beurteilen k\u00f6nnen: Dienlichkeit, Flexibilit\u00e4t, Anpassungsf\u00e4higkeit. Diese Kriterien sind individuell und sehr pers\u00f6nlich.<\/p>\n<p>Die Urteilskompetenz einer externen Autorit\u00e4t ist dabei nur dann sinnvoll, wenn dem Lernenden damit geholfen wird, seinem eigenen Urteil zu vertrauen. Das, genau das ist die Aufgabe eines &#8222;Sensei&#8220; &#8211; er ist ein Katalysator des Erkundungs- und Lernprozesses&#8230;<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte nun ein kleines Beispiel daf\u00fcr anf\u00fchren, warum ich weiter oben behauptet habe, dass es uns an Selbstwahrnehmung mangelt. Wenn man sich den Aufbau der Wirbels\u00e4ule vergegenw\u00e4rtigt, ihre Bewegungsfunktionen, und dies in Beziehung zu einigen unserer Gewohnheiten setzt, dann kann man erkennen (wahrnehmen!), weshalb R\u00fcckenschmerzen so verbreitet sind.<\/p>\n<p>Die Wirbels\u00e4ule tr\u00e4gt unser Gewicht und ist die zentrale Struktur unseres K\u00f6rpers, wenn es um Bewegungen geht. Im Gegensatz zu dem, was viele Menschen glauben, sind nicht die Lendenwirbel die beweglichsten Teile der Wirbels\u00e4ule. Die Lendenwirbel k\u00f6nnen sich lediglich um etwa f\u00fcnf bis acht Grad gegeneinander verdrehen. Das liegt an ihren besonderen Gelenkfl\u00e4chen.<\/p>\n<p>Die Brustwirbel hingegen, obwohl mit den Rippen verbunden, erm\u00f6glichen aufgrund ihrer Form der Brustwirbels\u00e4ule eine Gesamtdrehung von bis zu 35 Grad. Durch die Form der Brustwirbelgelenke wird Rotation, Streckung, Beugung und Seitbeugung erm\u00f6glicht &#8211; und nat\u00fcrlich eine Kombination all dieser Bewegungen.<\/p>\n<p>Die Lendenwirbels\u00e4ule ist dazu nicht in der Lage. Auch die Halswirbels\u00e4ule kann lediglich dem ersten und zweite Halswirbel eine seitliche Drehung erm\u00f6glichen. Die anderen Halswirbel erlauben eine Drehung nur in Verbindung mit einer Seitneigung.<\/p>\n<p>Das bedeutet, da\u00df man das vollst\u00e4ndige Potential f\u00fcr Sehen, Greifen, Balancieren und Fortbewegen nur dann nutzen kann, wenn man es der Brustwirbels\u00e4ule erm\u00f6glicht, sich frei zu bewegen. Das wiederum \u00fcberrascht die meisten Menschen, die ihre Brust gew\u00f6hnlich als steif und ziemlich unbeweglich wahrnehmen.<\/p>\n<p>Drehbewegungen der gesamten Wirbels\u00e4ule sind immer mit Seitenneigung und Extension verbunden, und nur so kann man diese Bewegungen auch effektiv einsetzen. Um aber die gesamte Wirbels\u00e4ule so bewegen zu k\u00f6nnen, muss ihr beweglichster Teil, n\u00e4mlich die Brustwirbels\u00e4ule, von Blockaden frei sein (auch von Wahrnehmungs- und Denkblockaden!). Wir m\u00fcssen unsere Brustwirbels\u00e4ule entlasten.<\/p>\n<p>Warum k\u00f6nnen wir das nicht? Ganz einfach. Weil wir durch unsere Erziehung ein Denkmuster angenommen haben, welches unweigerlich zu R\u00fcckenbeschwerden f\u00fchren muss: wir strengen uns an.<\/p>\n<p>Das tun wir deshalb, weil wir glauben, da\u00df Anstrengung die Ergebnisse unseres Handelns verbessern k\u00f6nnte. Wir sind also erstens zielfixiert und zweitens tun wir stets unser Bestes, um Erfolg zu haben &#8211; wir strengen uns an. Das ist gesellschaftlich erw\u00fcnscht. Wir haben es von unseren Eltern und in der Schule geh\u00f6rt, wieder und wieder: streng dich gef\u00e4lligst an! Es hat sich so in unser Denken eingepr\u00e4gt, dass wir es f\u00fcr absolut normal halten, uns anzustrengen. Immer.<\/p>\n<p>Was aber geschieht eigentlich, wenn wir uns anstrengen? Wieso denkt niemand dar\u00fcber nach? Tja, wie gesagt &#8211; Wahrnehmung.<\/p>\n<p>Wenn wir uns anstrengen, dann sp\u00fcren wir etwas, das wir Anspannung nennen. Und genau das ist es auch. Es ist Muskelspannung, erh\u00f6hter Tonus. Wir glauben, dass uns dies hilft, die anstehende Aufgabe besser zu bew\u00e4ltigen. Nichts k\u00f6nnte falscher sein als das.<\/p>\n<p>Sobald uns diese Empfindung des erh\u00f6hten Muskeltonus zu einem vertrauten Gef\u00fchl geworden ist (und das geschieht schon in der Kindheit), wenden wir sie auf alle Bereiche des Lebens an. Wir rei\u00dfen uns zusammen &#8211; im wahrsten Sinne des Wortes. Die Muskeln verk\u00fcrzen sich &#8211; erh\u00f6hter Tonus also, wie gesagt.<br \/>\n(Hier m\u00f6chte ich eilig einf\u00fcgen, da\u00df diese &#8222;Verk\u00fcrzung&#8220; nur ein Bild ist, mit dem ich plastisch zu beschreiben versuche, was da mit den Muskeln geschieht. Selbstverst\u00e4ndlich k\u00f6nnen sich Muskeln nicht wirklich &#8222;verk\u00fcrzen&#8220;, sie werden lediglich unflexibler. Ich m\u00f6chte dennoch das umgangssprachliche und leichter fa\u00dfbare Bild der &#8222;Verk\u00fcrzung&#8220; beibehalten.) <\/p>\n<p>Erh\u00f6hter Muskeltonus aber &#8211; alle J\u00fbd\u00f4ka gut zuh\u00f6ren! &#8211; bedeutet, dass der Muskel erstens bereits verk\u00fcrzt ist, noch bevor wir uns \u00fcberhaupt bewegen, und zweitens nun noch mehr Kraft, noch mehr Anstrengung aufgewendet werden mu\u00df, um \u00fcberhaupt eine Bewegung auszuf\u00fchren, um die von uns selbst verursachte Steifheit zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<p>Das \u00fcberrascht uns (falls es uns jemals bewu\u00dft wird), da wir doch glauben, uns besondere M\u00fche zu geben, w\u00e4hrend wir in Wahrheit die eigenen Handlungsabl\u00e4ufe wirksam behindert haben. Die durch unsere Anstrengung erh\u00f6hte Spannung ist nichts anderes als eben das: erh\u00f6hte Spannung. Sie tr\u00e4gt in keiner Weise zu einer Verbesserung unserer Koordination oder unseres K\u00f6nnens bei. Das Gegenteil ist bedauerlicherweise der Fall: erh\u00f6hte Spannung, erh\u00f6hter Muskeltonus weist auf mangelndes K\u00f6nnen hin. <\/p>\n<p>Die T\u00e4tigkeit der Muskeln wird vom Gehirn (Denkmuster!) so koordiniert, dass erh\u00f6hte Spannung zwei Wirkungen hat &#8211; erstens werden die Muskeln verk\u00fcrzt und zweitens versteifen sich genau dadurch die Gelenke. Man ist also weniger beweglich, und darunter leidet die Pr\u00e4zision der Bewegung.<\/p>\n<p>Kommt das den Wettk\u00e4mpfern unter euch vertraut vor? Falls nicht &#8211; beobachtet doch mal, was geschieht, bevor ihr zu k\u00e4mpfen beginnt. Ihr duckt euch zusammen, zieht den Hals ein, beugt euren Oberk\u00f6rper, winkelt die Arme an, beugt die Beine (\u201cRingerhaltung\u201c) &#8211; was ist das, wenn nicht eine Erh\u00f6hung des gesamten Muskeltonus? Und dann &#8211; dann strengt ihr euch an, aus dieser verkrampften Haltung heraus eure Fassart durchzusetzen, um danach mit gro\u00dfer Anstrengung (!) den Gegner auszuheben und zu werfen.<\/p>\n<p>Anstrengung f\u00fchrt stets dazu, dass sich die gesamte Wirbels\u00e4ule verk\u00fcrzt (dies geschieht durch die Verk\u00fcrzung der Skelettmuskeln) &#8211; und dadurch versteift sich ihr beweglichster Teil, n\u00e4mlich die Brustwirbels\u00e4ule. Das wiederum vermindert das Atemvolumen&#8230;<\/p>\n<p>Nun sind aber die gleichen Muskeln, welche unsere Wirbels\u00e4ule verk\u00fcrzen, auch in einem differenzierten Bewegungsmuster verantwortlich f\u00fcr unsere Drehung um die L\u00e4ngsachse. Werden sie schon benutzt, n\u00e4mlich bei der Verk\u00fcrzung durch Anspannung, erm\u00f6glichen sie nur noch begrenzte Drehbewegungen.<br \/>\nGleichzeitig erh\u00f6ht sich bei Anstrengung durch die vorstehend beschriebene Verk\u00fcrzung (also das Zusammenziehen) der Muskeln der Druck auf die Bandscheiben.<\/p>\n<p>Die Versteifung der Brustwirbels\u00e4ule f\u00fchrt nun dazu, da\u00df man versucht, sich im Bereich der Lendenwirbel zu drehen. Das wiederum sch\u00e4digt die bereits stark unter Druck stehenden Bandscheiben. Da die Lendenwirbels\u00e4ule sich nicht f\u00fcr Drehbewegungen eignet, erzeugen wir beim Versuch, uns dort zu drehen (um die mangelnde Beweglichkeit der Brustwirbels\u00e4ule auszugleichen), Schubkr\u00e4fte, die auf die Bandscheiben verheerende Wirkung haben.<\/p>\n<p>Die erh\u00f6hte Spannung, die wir durch Anstrengung in beinahe allen Muskeln unseres K\u00f6rpers erzeugen (oft, ohne das \u00fcberhaupt wahrzunehmen!), f\u00fchrt auch zu erh\u00f6htem Tonus in den Bauchreflexoren. Diese wiederum fixieren dadurch die sieben unteren Rippen, die dann nicht gegeneinander gleiten k\u00f6nnen. Das verhindert zuverl\u00e4ssig das Drehen der Brustwirbels\u00e4ule und beugt zugleich die Lendenwirbels\u00e4ule, vor allem den vierten und f\u00fcnften Lendenwirbel. <\/p>\n<p>Dies belastet nicht nur \u00fcberm\u00e4\u00dfig die Bandscheiben, es f\u00fchrt auch zu einer weiteren Verminderung der Atembewegungen. R\u00fcckenschmerzen sind die unausweichliche Folge.<\/p>\n<p>Interessant dabei vielleicht noch, dass all dies sozusagen ein \u201cDauerkrafttraining\u201d f\u00fcr die betroffene Muskulatur ist. Die fehlgestellten, verk\u00fcrzten, fehlbelasteten Muskeln sind also in einem Zustand, in dem sie st\u00e4ndig und immer Arbeit verrichten &#8211; und dadurch werden sie nat\u00fcrlich kr\u00e4ftig, da Muskeln Anpassungsorgane sind. Das aber bedeutet, dass sie sich noch viel mehr zusammenziehen, da sie ja dauernd Arbeit verrichten m\u00fcssen &#8211; selbst dann, wenn es gar nicht n\u00f6tig ist.<\/p>\n<p>Das f\u00fchrt dazu, da\u00df wir selbst im Schlaf diese betroffene Muskulatur nicht mehr entspannen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Und ein dauerbelasteter Muskel produziert auch st\u00e4ndig Laktat&#8230; und der K\u00f6rper kommt mit dem Abbau dieses Laktats nicht mehr nach.<\/p>\n<p>So, und nun stellt euch bitte mal vor, was passiert, wenn jemand mit einer derartig dauerfehlbelasteten Muskulatur erz\u00e4hlt bekommt, er k\u00f6nne seine R\u00fcckenschmerzen \u00fcberwinden, wenn er nur flei\u00dfig Krafttraining f\u00fcr die R\u00fcckenmuskeln absolvieren w\u00fcrde&#8230;<\/p>\n<p>All diese hier aufgez\u00e4hlten Dinge beruhen eindeutig auf unserem Unverm\u00f6gen, uns selbst wahrzunehmen. Wie ich schon sagte &#8211; es lohnt sich, dar\u00fcber mal gr\u00fcndlich nachzudenken.<\/p>\n<p>Welches Bild haben wir von uns selbst &#8211; und inwieweit stimmt dieses Bild mit der Realit\u00e4t \u00fcberein?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Moshe Feldenkrais sagte sinngem\u00e4\u00df, da\u00df wir stets dem Bilde nach handeln, das wir uns von uns selbst machen. Dar\u00fcber sollten wir gr\u00fcndlich nachdenken, denn dieser Satz ist der Schl\u00fcssel zum Verst\u00e4ndnis des J\u00fbd\u00f4. Wie nehmen wir uns wahr? 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