{"id":232,"date":"2013-04-27T13:57:07","date_gmt":"2013-04-27T11:57:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/?p=232"},"modified":"2013-08-04T17:41:25","modified_gmt":"2013-08-04T15:41:25","slug":"scramble-position","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/allgemein\/scramble-position\/","title":{"rendered":"Scramble &#038; Position"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der folgende Beitrag wurde von Dennis Br\u00f6tzmann verfa\u00dft, der f\u00fcr unseren Blog als Gastautor schreibt:<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Position before Submission&#8220;, das ist der Tenor, den man in jeder BJJ-Klasse zu h\u00f6ren bekommt. Damit ist gemeint, dass zuerst die Position erarbeitet, gesichert und am Ende schlie\u00dflich die Submission durchgef\u00fchrt werden soll.<\/p>\n<p>Diese Strategie ist sicher, mag ihre Zeit dauern und sollte bestimmt die Grundlage f\u00fcr jeden Anf\u00e4nger sein.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Sicherlich, wenn man im Vale Tudo eine Position optimal sichert, ist der Kampf vorbei. Ist dort jemand in der Sidemount in der Unterlage und hat nicht einen absolut funktionierenden Notfallplan, dann kann er eigentlich schon die Krankenkassenkarte z\u00fccken. Eine passierte Guard ist die Garantie auf Ellbogen- und Knieangriffe, und gerade Knie aus der SD sind die fieseste Waffe.<\/p>\n<p>Wie gesagt, man h\u00f6rt das &#8222;Position before Submission&#8220;-Mantra seit Ewigkeiten.<br \/>\nDas hat seine Berechtigung.<br \/>\nABER: Schaut man einmal genauer hin, dann gibt es auch&#8230;Scrambler.<\/p>\n<p>Das Interessante an diesen K\u00e4mpfern ist, dass sie in der Regel nicht in den h\u00f6heren Gewichtsklassen anzutreffen sind, und zwar aus einem bestimmten Grund. Die Scrambler kommen meistens aus Schulen, in denen der Gro\u00dfteil schwere und starke K\u00e4mpfer sind. Bringt einem &#8222;Position before Submission&#8220; etwas, wenn der Gegner st\u00e4rker, schwerer ist und vielleicht sogar einen Bauch hat, auf dem man sich nicht vern\u00fcnftig positionieren kann?<br \/>\nNein.<\/p>\n<p>Die Strategie der Leichten muss also das st\u00e4ndige Bewegen sein. Der Gro\u00dfe wird das Tempo nicht halten k\u00f6nnen, wird sein Gewicht immer nutzloser vorfinden (besonders No-Gi) und irgendwann m\u00fcde sein. Erst hier bietet sich der Choke an. Interessanterweise ist der Choke das bevorzugte Mittel eines Scramblers. Ein Choke kommt schnell, es gibt wesentlich mehr Eing\u00e4nge und er kostet, richtig ausgef\u00fchrt, bei Weitem nicht so viel Kraft wie ein Arm- oder Schulterhebel.<\/p>\n<p>Allein das L\u00f6sen des Arms von einem Kraftpaket ist unn\u00f6tige Energieverschwendung, wenn man keine Schl\u00fcsseltechniken daf\u00fcr hat (sprich Ellbogenschl\u00fcssel, Slicer-Fake oder das ber\u00fchmte &#8222;Machinegun-Bein&#8220;). Weiterhin kann man sicher sein, dass jeder Choke-Versuch einen schweren Gegner noch mehr ausgelaugt hat. Er bekommt die verlorene Luft nicht wieder und genau deshalb ist der bestimmte &#8222;Sorry, ich brauche jetzt mal ne Pause&#8220;, bevor er getappt wird-Grappler viel eher in den h\u00f6heren Klassen zu finden.<\/p>\n<p>Sind die Schwergewichte also alle dumme Kolosse? Nein, aber sie haben den Nachteil des Vorteils.<\/p>\n<p>Jemand, der eher schwer ist, wird sich aufgrund des Gewichts erstmal recht komfortabel beim Grappling f\u00fchlen. Er hat also als Anf\u00e4nger gegen Leichtere bereits seine ersten Erfolge und kann die ein oder andere Submission schon mit Kraft durchboxen. In der Regel wird dieser &#8222;Fortschritt&#8220; (der keiner ist) ihn nicht dazu bewegen, etwas zu \u00e4ndern, sondern er wird weiter auf dem &#8222;Kraft+Gewicht&#8220;-Pfad fahren, solange er damit Erfolg hat. Gegner die ihn tappen, sind in der Regel erfahrener und damit kein wirklicher Ansto\u00df zum Umdenken. Er wird nicht lernen m\u00fcssen, richtig zu atmen oder den K\u00f6rper an Bewegungsmuster zu gew\u00f6hnen. Escapes klappen mit Kraft und wenig Technik. Submission ebenso.<\/p>\n<p>Was passiert in der Zeit mit dem leichten Grappler?<\/p>\n<p>Er geht.<\/p>\n<p>oder er bemerkt, dass seine k\u00f6rperlichen Attribute nichts wert sind und er ein Spiel entwickeln muss. Damit konfrontiert, dass die Meisten ihn zerquetschen wollen, muss er den ersten Ansturm unbeschadet \u00fcberleben. Das setzt ein fl\u00fcssiges Bewegen, sowie gute Atmung voraus. Hat er \u00fcberlebt, escapt der Leichte klammheimlich und rennt um den Schweren, der schon einiges an Energie verbraucht hat, herum, auf den Moment wartend, dass der Schwere schnauft wie eine Dampf-Lok (viele Submissions sind auf das Ausatmen des Gegners konzipiert!).<\/p>\n<p>Erst jetzt lohnen sich Submissions f\u00fcr den Leichten. Bekommt er sie nicht sofort, ist die Zeit trotzdem auf seiner Seite. Der Schwere kann kaum noch gewinnen, wenn der Leichte keinen dummen Fehler macht. Das Problem des Leichten ist trotzdem der erste Sturm. Ihn zu \u00fcberleben ist ein bisschen wie das Warten auf Godot. Und meiner Meinung nach langfristig keine Option.<\/p>\n<p>Wir kommen also zu den Scramblern.<\/p>\n<p>&#8222;Scramble&#8220; ist der Begriff f\u00fcr die Chaos-Situationen im Kampf. Da, wo noch keine Position vorhanden ist, ist Scramble. Was ist der worst-case des leichten Grapplers? Wenn er in einer Position gesichert wurde (erst dann gibt es auf einem Wettkampf die Punkte!) und der Gegner schwerer ist. Es ist Stillstand und genau das kann der Scrambler nicht gebrauchen.<\/p>\n<p>Ein Scrambler bekommt seine Submission aus der Bewegung, w\u00e4hrend der Gegner eine Position sucht.<br \/>\nMan schaue sich Marcelo Garcia, der erst einen kleinen Moment von Unsicherheit schafft und pl\u00f6tzlich irgendwohin explodiert, um dann den Kampf zu beenden. Das sind die Momente, in denen man sich fragt: &#8222;Was, wie hat er das gemacht??&#8220; Terere ist da ein \u00e4hnliches Beispiel oder Carlos Condit im MMA. Ich sehe sogar bei Fedor diese Tendenz, wenn er schwerere Gegner hat (obwohl er ja selber HW ist, aber eben ein leichter).<\/p>\n<p>F\u00fcr den Scrambler ist das besagte Grappler-Mantra eher ein Hindernis. Die \u00dcberlebensinstinkte hat er bereits am Anfang lernen m\u00fcssen und nun muss er sein Spiel aufzwingen. Hohe Geschwindigkeit, niemals eindeutige Situtationen, schnelle Submissions.<\/p>\n<p>Kann ein Schwergewicht ein Scrambler werden? Absolut.<\/p>\n<p>Ihnen fehlt in der Regel die Kondition. Das liegt leider eher daran, dass sie sie nie wirklich brauchten. Ebenso wie Flexibilit\u00e4t o.\u00e4. Nimmt ein Schwergewicht am Anfang die Kraft+Gewicht im Kampf heraus, muss er an seiner Technik feilen. Solange die Sonder-Attribute nicht vorhanden sind, wird er etwas anderes entwickeln m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Dieser Weg ist schwer, weil man immer Kontrolle behalten muss. Langfristig ist dieser Weg aber wesentlich effizienter und mehr Partner wollen mit einem rollen, da das Verletzungsrisiko geringer ist. K\u00e4mpft der Schwere nun gegen noch schwerere, dann wird er Kraft+Gewicht+Technik+Konditon+Geschwindigkeit zur Verf\u00fcgung haben und damit sehr gef\u00e4hrlich.<\/p>\n<p>Position before Submission ist also durchaus sinnvoll, wenn man es sich denn leisten kann. Ich mache die Erfahrung, dass es sinnvoller ist, aus jeder Position eine Sub (ja, auch unten aus der Mount gibt es welche!) zu k\u00f6nnen und damit den Kampf zum Spie\u00dfrutenlauf zu gestalten, als Stationen abzuarbeiten, die irre viel Kraft kosten.<\/p>\n<p>Also: einfach mal versuchen im Training keinen Stillstand aufkommen zu lassen, denn die n\u00e4chste Submission wartet bereits mit einem Freigetr\u00e4nk um die Ecke &#8230;<\/p>\n<p>Dennis Br\u00f6tzmann<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der folgende Beitrag wurde von Dennis Br\u00f6tzmann verfa\u00dft, der f\u00fcr unseren Blog als Gastautor schreibt: &#8222;Position before Submission&#8220;, das ist der Tenor, den man in jeder BJJ-Klasse zu h\u00f6ren bekommt. 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