{"id":295,"date":"2013-05-01T20:26:03","date_gmt":"2013-05-01T18:26:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/?p=295"},"modified":"2013-05-15T12:29:56","modified_gmt":"2013-05-15T10:29:56","slug":"du-bist-dein-game","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/allgemein\/du-bist-dein-game\/","title":{"rendered":"Du bist dein Game"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der folgende Beitrag wurde von Dennis Br\u00f6tzmann verfa\u00dft, der f\u00fcr unseren Blog als Gastautor schreibt:<\/strong><\/p>\n<p>Als ich begann danach zu fragen, was ein &#8222;Game&#8220; ist, war die h\u00e4ufigste Antwort, die ich bekam, dass es eine Kombination aus den Techniken ist, die ich am Meisten bevorzuge.<\/p>\n<p>Ich war mit dieser Antwort nicht zufrieden, hatte eher das Gef\u00fchl, dass da noch mehr ist.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>W\u00fcrde das Game aus Techniken bestehen, die ich bevorzuge, dann bevorzuge ich irgendwann alle Techniken, da ich irgendwann alle Techniken ge\u00fcbt habe, somit irgendwann beherrsche und anschlie\u00dfend w\u00e4re mein Game einfach ein Konglomerat aus sehr vielen Techniken, die aufgrund meines spezifischen K\u00f6rpertyps mehr oder weniger effizient sind.<\/p>\n<p>Das ist ein bisschen zu einfach und schlichtweg nicht wahr, wenn man sich mal den Charakter unter dem Gi\/Rashguard o.\u00e4. anschaut.<\/p>\n<p>Was genau bedeutet &#8222;Game&#8220;?<\/p>\n<p>Wir sprechen von Guard-Game, Top-Game, Bottom-Game usw. Damit ist gemeint, dass ein K\u00e4mpfer aus einer bestimmten Position oder auch Lage eine Vielzahl an Waffen, Verteidigungen und vor allem Schlachtpl\u00e4nen entwickelt hat. Dieser K\u00e4mpfer ist aufgrund jener Entwicklung aus genau dieser Position sehr viel gef\u00e4hrlicher als in einer anderen, die er nicht so hoch entwickelt hat.<\/p>\n<p>Oder anders: Ein Boxer ist besser im Boxen als in Handgelenk hebeln. Mag sein, dass er Handgelenkhebel kann aber er ist vorallem Boxer und hier gef\u00e4hrlicher, als irgendwo anders.<\/p>\n<p>Nach einiger Zeit wird ein K\u00e4mpfer mehrere Positionen finden, in denen er sich komfortabel f\u00fchlt, diese wieder entwickeln und damit vollst\u00e4ndiger k\u00e4mpfen k\u00f6nnen, anstatt immer wieder in die eine, von ihm favorisierte Position zur\u00fcck kehren zu m\u00fcssen. Wir haben nun also jemanden, der sich in vielen Positionen sicher f\u00fchlt und aus ihnen gef\u00e4hrlich agieren kann.<\/p>\n<p>Ist das nun das Game?<\/p>\n<p>Angenommen, man w\u00fcrde zwei Menschen mit nahezu den selben k\u00f6rperlichen Attributen nehmen, ihnen exakt die selben Techniken zur Verf\u00fcgung stellen, w\u00fcrde ihr Game gleich aussehen?<\/p>\n<p>Nein.<\/p>\n<p>Der eine w\u00fcrde m\u00f6glicherweise aggressiver k\u00e4mpfen, mehr Druck machen und nach Submissions suchen wie ein Bluthund, und der andere w\u00fcrde vielleicht defensiv k\u00e4mpfen und pl\u00f6tzlich wie aus dem Nichts einen Armhebel anbringen und der Kampf w\u00e4re vorbei, obwohl vorher der Eindruck herrschte, dass der defensive K\u00e4mpfer unterliegen wird. Der k\u00f6rperliche Aspekt spielt hier also nicht die Hauptrolle (wie auch sonst eher selten). Was ist es also?<\/p>\n<p>Ist irgendwem schon einmal aufgefallen, dass man mit jemandem rollt und diese Person lernt man dann sp\u00e4ter durch ein Gespr\u00e4ch n\u00e4her kennen und entdeckt an ihr die selben charakterlichen Eigenschaften, die sie vorher w\u00e4hrend des Rollens gezeigt hat?<\/p>\n<p>Jemand, der \u00fcber sein Leben viel Kontrolle haben m\u00f6chte, wird in der Regel dazu neigen, viel Kontrolle im Kampf zu suchen und anbringen zu wollen. Jemand, der eher kreativ und unbedarft ist, wird sich ebenso auf der Matte ausdr\u00fccken. Jemand, der eher \u00e4ngstlicher Natur ist, wird diese Angst auf der Matte sp\u00fcren. Jemand, der ein gro\u00dfes Ego hat, dem wird das Ego auf der Matte begegnen und ihm Beine stellen, bis man einen Weg gefunden hat, sich dagegen zu wehren.<\/p>\n<p>Dieser Ausdruck des Charakters ist nicht bewusst. Sicherlich, man mag sich vornehmen: &#8222;Heute k\u00e4mpfe ich mal aggressiver!&#8220; aber sobald der Verstand leer wird und man nur noch reagieren kann, wird das Selbst \u00fcbernehmen. Dies trifft besonders zu, wenn man w\u00e4hrend des Kampfes in arge Bedr\u00e4ngnis ger\u00e4t.<br \/>\nDas Selbst ist also unausweichlich da.<\/p>\n<p>Das kann jetzt als &#8222;esoterisch&#8220; abgewertet werden aber letztlich ist man aus einem bestimmten Grund in eine Kampfsportschule eingetreten und wenn es nur mit dem Wunsch des Gewichtsverlust einher ging.<br \/>\nAuch das hat mit dem pers\u00f6nlichen &#8222;Selbst-Bild&#8220; zu tun.<\/p>\n<p>Pers\u00f6nlich denke ich, dass es sehr wenige Gelegenheiten im Leben gibt, bei denen sich das eigene Selbst so offen und nackt zeigt wie auf der Matte. Wer diese Reflexion beobachtet, dem wird vieles \u00fcber sich selbst klar. Weiter l\u00e4sst sich das Beobachtete auch dort nutzen, wo man es zuerst gefunden hat&#8230;<\/p>\n<p>Ist mir bewusst, dass ich einen impulsiven, extrovertierten Charakter habe, dann lohnt es sich eventuell, meine Art des K\u00e4mpfens danach zu ordnen. Ich werde mich hier sicher am Wohlsten f\u00fchlen und damit effizienter sein.<\/p>\n<p>Bin ich ein eher zur\u00fcckhaltender, introvertierter Mensch, ist es sehr gut m\u00f6glich, dass ich aus genau diesen Eigenschaften meinen Erfolg ziehen kann. Steht diese Selbstreflexion im Fokus, dann werden sich Techniken, Prinzipien und schlie\u00dflich auch k\u00f6rperliche Attribute dem Selbst unterordnen und gezielter in eine Richtung gelenkt werden. Unter einer bestimmten eigenen Leitlinie (n\u00e4mlich der Selbsterforschung) zu k\u00e4mpfen, ist immer aufregender, als ziellos herum zu d\u00fcmpeln, ohne zu wissen, was man eigentlich wie machen soll.<\/p>\n<p>Gerade diese Ziellosigkeit f\u00fchrt oft zu einem Frankenstein-Game. So hat man beispielsweise den Sweep des gro\u00dfen starken Dicken und den Armbar der kleinen, flexiblen Techikerin. Beides passt nicht gut zu einander.<\/p>\n<p>Um alles sinnvoll zusammen f\u00fcgen zu k\u00f6nnen, braucht man <em>SEINEN EIGENEN<\/em> Armbar und <em>SEINEN EIGENEN<\/em> Sweep.<\/p>\n<p>So erh\u00e4lt man also die eigens modifizierten Waffen, um damit praktisch unter einem ehrlichen General in die Schlacht zu ziehen, der sich der Schw\u00e4chen und St\u00e4rken des eigenen Heers bewusst ist. So erh\u00e4lt man aber auch die Werkzeuge f\u00fcr eine seelische Reise, die, wenn wir ehrlich sind, sonst in der Regel sehr planlos verl\u00e4uft.<\/p>\n<p>Wenn ihr das n\u00e4chste Mal also die Matte betretet, beobachtet mal, wer mit euch kommt.<\/p>\n<p>Von ihm k\u00f6nnt ihr was lernen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der folgende Beitrag wurde von Dennis Br\u00f6tzmann verfa\u00dft, der f\u00fcr unseren Blog als Gastautor schreibt: Als ich begann danach zu fragen, was ein &#8222;Game&#8220; ist, war die h\u00e4ufigste Antwort, die ich bekam, dass es eine Kombination aus den Techniken ist, &hellip; <a href=\"https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/allgemein\/du-bist-dein-game\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[19,17],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/295"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=295"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/295\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":376,"href":"https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/295\/revisions\/376"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=295"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=295"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=295"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}