{"id":328,"date":"2013-05-08T23:36:47","date_gmt":"2013-05-08T21:36:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/?p=328"},"modified":"2013-05-15T12:29:00","modified_gmt":"2013-05-15T10:29:00","slug":"gewalt-wahrnehmung-und-kampf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/allgemein\/gewalt-wahrnehmung-und-kampf\/","title":{"rendered":"Gewalt, Wahrnehmung und Kampf"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt einen riesengro\u00dfen Unterschied zwischen dem, was Gewalt tats\u00e4chlich ist und dem, was davon wahrgenommen wird.<\/p>\n<p>Gewalt wird oftmals nicht als solche erkannt. <\/p>\n<p>Das mag auch daran liegen, da\u00df es viele unterschiedliche, z.T. sehr subtile Formen von Gewalt gibt. Die Wahrnehmungsl\u00fccke der meisten Menschen hat aber in erster Linie andere, sehr ernste Ursachen.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nNur wenige Menschen befassen sich emotionslos und vorurteilsfrei mit dem Thema Gewalt.<br \/>\nAuch mir gelingt es nur selten, wirklich objektiv und ohne starke Emotionen \u00fcber Gewalt zu reden oder zu schreiben.<\/p>\n<p>Doch man kann sich mit Gewalt, ihren Erscheinungsformen und ihren Folgen erst dann wirklich intensiv und vor allem konstruktiv auseinandersetzen, wenn man in der Lage ist, die eigenen Vorurteile und vorgefa\u00dften Meinungen, die eigenen \u00c4ngste und auch Erwartungen weitgehend auszuklammern.<br \/>\nGanz wird das nie gelingen.<br \/>\nWir sind schlie\u00dflich nur Menschen, und wir haben und wir machen Fehler.<br \/>\nTrotzdem sollte man sich darum bem\u00fchen, sich nicht von den eigenen Vorurteilen und Erwartungen einengen zu lassen &#8230;<\/p>\n<p>Gewalt ist ein sehr wichtiges Thema f\u00fcr alle, die sich mit dem Gedanken des K\u00e4mpfens vertraut machen wollen &#8230; sollte man meinen.<\/p>\n<p>Weit gefehlt!<\/p>\n<h1>Wegsehen als Konsens<\/h1>\n<p>Es scheint ein gesellschaftlicher Konsens zu sein, \u00fcber Gewalt m\u00f6glichst nicht zu sprechen (die hysterische Berichterstattung in den Medien einmal ausgenommen).<\/p>\n<p>Gewalt, so lernen wir schon im fr\u00fchen Kindesalter, ist eine v\u00f6llig inakzeptable Art und Weise, Probleme l\u00f6sen oder eigene Interessen durchsetzen zu wollen.<\/p>\n<p>Das aber stimmt nicht, wie wir (ebenfalls von Kindesbeinen an) erfahren m\u00fcssen. Denn die uns gepredigte Gewaltlosigkeit wurde schon in der Grundschule durchgesetzt \u2013 und zwar mit Gewalt.<\/p>\n<p>So wuchsen wir also damals in einer extrem verlogenen Gesellschaft auf, die Gewaltlosigkeit predigte und gleichzeitig der beste N\u00e4hrboden f\u00fcr ebendiese Gewalt war. Daran hat sich bis heute nichts ge\u00e4ndert. Zudem wird eine neuerdings in den Medien zu beobachtende, geradezu voyeuristische Berichterstattung in Bezug auf Gewaltdelikte nicht dazu beitragen, Gewalt einzud\u00e4mmen.<\/p>\n<h1>&#8222;Man kann doch \u00fcber alles reden &#8230;&#8220;<\/h1>\n<p>Es sei dahingestellt, welche Faktoren gewaltausl\u00f6send sind &#8211; es gen\u00fcgt, zu begreifen, dass ein gro\u00dfer Teil unserer Mitmenschen durchaus bereit ist, Gewalt als Mittel zur L\u00f6sung von Konflikten zu akzeptieren und folglich auch anzuwenden.<\/p>\n<p>Man sollte meinen, dass es keiner besonderen kognitiven F\u00e4higkeiten bedarf, um dieser Erkenntnis teilhaftig zu werden &#8230;<\/p>\n<p>Ich respektiere jeden, der sein Leben friedlich vor sich hinleben m\u00f6chte (und nur Funktionsgest\u00f6rte, denen ein paar Teile im Gehirn fehlen, m\u00f6chten das nicht). Doch es kann der Fr\u00f6mmste nicht in Frieden leben, wenn dem b\u00f6sen Nachbarn die Gewalt gef\u00e4llt.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich verlangt die Gesellschaft von uns, dass wir keine Gewalt anwenden. Wir sollen &#8222;nette Menschen&#8220; sein. Wir sollen uns nach den gesellschaftlichen Konventionen richten. Eine dieser gesellschaftlichen Konventionen besagt, dass man &#8222;\u00fcber alles reden&#8220; k\u00f6nne und m\u00fcsse. Auseinandersetzungen seien verbal zu f\u00fchren \u2026 oder eben auf dem \u201eRechtsweg\u201c.<\/p>\n<p>Sch\u00f6ne Idee.<\/p>\n<p>Nur&#8230; Konventionen sind etwas f\u00fcr &#8222;nette&#8220; Menschen.<\/p>\n<p>Selbstverteidigung aber, wenn man sie ernsthaft praktiziert, ist eben darum nichts f\u00fcr nette Leute.<\/p>\n<p>Nette Leute n\u00e4mlich sind jene, die sich nicht wirklich zur Wehr setzen k\u00f6nnen und wollen, wenn es h\u00e4sslich wird, weil sie brav darauf warten, dass sie von der Polizei besch\u00fctzt werden. Wie wirkungsvoll dieser Polizeischutz ist, mag jeder selbst beurteilen. Erstaunlich finde ich nur, dass \u00e4u\u00dferst selten Polizisten in der N\u00e4he sind, wenn es irgendwo zu Gewaltt\u00e4tigkeiten kommt. Ob es da nicht besser w\u00e4re, auf sich selbst aufpassen zu k\u00f6nnen&#8230;?<\/p>\n<p>Ich finde es zudem sehr selbstgerecht, realit\u00e4tsfremd und sehr gef\u00e4hrlich, wenn man allen Ernstes glaubt, den gewaltbereiten menschlichen Abschaum beispielsweise durch einen Appell ans Schamgef\u00fchl zivilisieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Auch der Glaube an den Staat und die Polizei als dessen Ordnungsmacht ist von geradezu r\u00fchrender Naivit\u00e4t.<br \/>\nDie Polizei und die Staatsanwaltschaft sind, wie wir alle wissen, eingeengt von Gesetzen, politischen Entscheidungen, der \u00f6ffentlichen Meinung und vor allem leider allzu oft beengt und bedr\u00e4ngt von allgemeiner, gesellschaftlicher Dummheit \u2026<\/p>\n<p>In einer Zeit, in der &#8222;aus Kostengr\u00fcnden&#8220; massiv Beamtenstellen bei der Polizei abgebaut werden, sollte man vielleicht nicht allzusehr darauf vertrauen, durch die Polizei wirksam vor Gewalt &#8222;besch\u00fctzt&#8220; zu werden.<\/p>\n<h1>Und wie geht man nun mit Gewalt um?<\/h1>\n<p>Es ist m\u00fc\u00dfig, allzu viele Fragen nach den Ursachen der allt\u00e4glichen Gewalt zu stellen. Es geht vielmehr in erster Linie darum, wie man sich dieser Gewalt wirksam erwehren kann.<\/p>\n<p>Da gibt es nun viele, viele kluge (und weniger kluge) Ratschl\u00e4ge von ebenso vielen Leuten, die zumeist eines gemeinsam haben &#8211; diese Leute waren noch nie in ihrem Leben in einer wirklich gef\u00e4hrlichen Situation. Diese Leute haben noch nie in ihrem Leben wirklich um eben dieses k\u00e4mpfen m\u00fcssen. Wie kann man da erwarten, dass sie praktikable Ratschl\u00e4ge f\u00fcr den Umgang mit echter Gewalt anzubieten haben? Sie reden \u00fcber Dinge, von denen sie nichts, aber auch gar nichts verstehen.<\/p>\n<p>Schafe, die sich f\u00fcr W\u00f6lfe halten \u2026 (Nicht aufregen \u2013 Schafe und W\u00f6lfe sind hier als Allegorie zu verstehen).<\/p>\n<p>Nun werden ganz gewiss etliche dieser Schafe sofort emp\u00f6rt aufschreien und mir zu beweisen versuchen, dass sie sehr wohl ernsthaft in der Lage w\u00e4ren &#8230; blablabla usw.<\/p>\n<p>Unsinn! <\/p>\n<p>Wer jemals wirklich echte Gefahr, echte Gewalt erlebt (und \u00fcberlebt!) hat, der t\u00f6nt nicht derartig hohl und \u00fcberheblich herum, wie es diese Leute so gern und so selbstgerecht tun. Wer sich der Realit\u00e4t stellt, der wei\u00df, dass man sehr schnell (zuf\u00e4llig und unbeabsichtigt) in wirklich gef\u00e4hrliche Situationen kommen kann, wo es nicht einmal mehr m\u00f6glich ist, wegzulaufen. <\/p>\n<p>Was dann?<\/p>\n<h1>Vorbereitet sein!<\/h1>\n<p>Es sei wiederholt &#8211; es kann jeden treffen. W\u00e4re es da nicht besser, so gut wie m\u00f6glich vorbereitet zu sein?  Leider verbauen viele Leute sich diese M\u00f6glichkeit selbst, indem sie sagen: &#8222;Ich weigere mich, mein Leben von Gewalt durcheinanderbringen zu lassen! Ich weigere mich, so paranoid zu werden, dass ich hinter jeder Hausecke einen Angreifer vermute!&#8220;<\/p>\n<p>Das hei\u00dft im Klartext: &#8222;Ich weigere mich, zu akzeptieren, dass es Gewalt gibt und dass sie mich treffen kann. Ich weigere mich, meine Aufmerksamkeit auf M\u00f6glichkeiten zu richten, die mir aus solchen Situationen heraushelfen k\u00f6nnten! Lieber vertraue ich darauf, dass mir schon nichts passieren wird!&#8220;<\/p>\n<p>Die meisten Menschen wollen unbedingt glauben, dass die Welt im Grunde ein Ort des Guten ist. Das B\u00f6se, so glauben sie, beruhe einzig und allein auf (korrigierbarer) Verirrung. Dieser Glaube ist verst\u00e4ndlich, denn das Leben w\u00e4re sonst f\u00fcr viele nur schwer zu ertragen. Das ist der Grund daf\u00fcr, dass solche Gutmenschen von Gewalt immer v\u00f6llig \u00fcberrascht werden. Doch selbst, wenn sich solche Menschen mit Gewalt konfrontiert sehen, beharren sie oftmals stur (und hilflos) auf ihrem Standpunkt.<\/p>\n<p>Im Gegensatz dazu denke ich allerdings, dass es nicht schaden kann, eine Art von Gefahren-Radar zu entwickeln. Wer das f\u00fcr paranoid h\u00e4lt &#8211; nun gut. Aber wie will man denn gef\u00e4hrlichen Situationen aus dem Wege gehen, wenn man sie gar nicht erkennt?<\/p>\n<p>Dieses Erkennen muss zudem im Vorfeld einer gef\u00e4hrlichen Situation stattfinden! Steckt man erst mal in einer gewaltt\u00e4tigen Situation drin, ist sowieso alles zu sp\u00e4t. Dann kommt es nur noch darauf an, wie gut man mit den F\u00e4usten, den Ellbogen, Knien und evtl. mit dem Messer ist. (Regt euch nicht auf &#8211; wenn es um das eigene Leben und die eigene Gesundheit geht, ist alles erlaubt.)<\/p>\n<p>Wer sich weigert, das zu akzeptieren, der ist f\u00fcr die gro\u00dfen, b\u00f6sen W\u00f6lfe dieser Welt nichts anderes als ein Mittagessen auf zwei Beinen. Da n\u00fctzt es auch nichts, wenn man die Existenz gro\u00dfer, b\u00f6ser W\u00f6lfe einfach leugnet. Es hilft auch nicht, wenn man brutalste Gewalt nur an exotischen Orten wie Manila oder Bogota vermutet.<\/p>\n<p>Gewalt ist hier, mitten unter uns, jeden Tag pr\u00e4sent!<\/p>\n<h1>Von W\u00f6lfen und Schafen: Wem n\u00fctzt es, Gewalt zu leugnen?<\/h1>\n<p>Nun geschieht jedoch Tag f\u00fcr Tag etwas Merkw\u00fcrdiges &#8230; Die meisten Menschen weigern sich ganz einfach, diese sehr pr\u00e4sente, allt\u00e4glich stattfindende Gewalt \u00fcberhaupt zur Kenntnis zu nehmen. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf, klammern sie sich an den ihnen eingetrichterten gesellschaftlichen Konsens, dass Gewalt verp\u00f6nt und verboten sei. Die Konditionierung, die sie als Kinder erlebten, wirkt offenbar bei vielen Menschen sehr lange und sehr stark nach.<\/p>\n<p>Sich dieser Konditionierung hinzugeben bedeutet aber, die Realit\u00e4t (bewusst oder unbewusst) auszublenden. Zudem haben viele Menschen hierzulande einfach das Gl\u00fcck, nie in ihrem Leben mit echter Gewalt konfrontiert zu werden. Das aber ist purer Zufall.<\/p>\n<p>Es gibt weder eine Garantie noch einen Anspruch darauf, von Gewalt verschont zu bleiben. Niemand ist unber\u00fchrbar!<\/p>\n<p>Die meisten Menschen aber blenden diese Erkenntnis, wie schon gesagt, einfach aus ihrem Leben aus. Das bedeutet, dass sie sich konsequent weigern, sich zumindest gedanklich mit diesem Thema zu befassen. Mehr noch \u2013 sie bem\u00fchen sich sogar, anderen Menschen m\u00f6glichst jede Diskussion \u00fcber dieses Thema zu verbieten \u2026<\/p>\n<p>Wenn sie selbst dann doch eines Tages pl\u00f6tzlich Nase an Nase mit dem gro\u00dfen, b\u00f6sen Wolf stehen, fallen sie aus allen Wolken, wieso gerade ihnen so etwas widerfahren konnte (falls sie es \u00fcberleben). Etliche dieser (man m\u00f6ge mir den Ausdruck verzeihen) Schafe bl\u00f6ken gl\u00fccklich und selbstzufrieden auch dann noch vor sich hin, wenn der gro\u00dfe, b\u00f6se Wolf (<em>GBW<\/em>) ihnen schon dicht auf den Fersen ist.<\/p>\n<p>Warum auch nicht, schlie\u00dflich haben sie ja gelernt, dass es den GBW gar nicht gibt. Sie haben ihren angeborenen Schutzmechanismus abgelegt im Rahmen dessen, was man als Sozialisation bezeichnet. Sie haben auch nie gelernt, wie man erkennen kann, ob man sich vielleicht gerade eben in das Gebiet des GBW begibt&#8230;<\/p>\n<p>Gl\u00fccklich und selbstzufrieden bl\u00f6ken sie: &#8222;Ich lehne Gewalt prinzipiell ab! M\u00e4\u00e4\u00e4hhh!&#8220;<\/p>\n<p>Ein bedenklicher Standpunkt, besonders dann, wenn er von jenen vorgebracht wird, der ihrer Natur nach Beutetiere sind, auch wenn sie das nicht wahrhaben wollen.<\/p>\n<p>Sie sagen: &#8222;Ich verabscheue Gewalt! Ich lehne Gewalt grunds\u00e4tzlich ab!&#8220;<\/p>\n<p>Diese angeblich erwachsenen und m\u00fcndigen B\u00fcrger meinen damit: &#8222;Ich bin nicht bereit, mich gedanklich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Ich verlange, dass Gewalt einen gro\u00dfen Bogen um mich macht!&#8220; Es fehlt nur noch, dass sie trotzig mit den F\u00fc\u00dfen stampfen. Das wird den gro\u00dfen b\u00f6sen Wolf wahrscheinlich sehr beeindrucken \u2026<\/p>\n<p>Leider machen viele Schafe einen ganz entscheidenden Denkfehler.<\/p>\n<p>Zum einen halten sie sich selbst nicht f\u00fcr Schafe (was nicht f\u00fcr ihren Realit\u00e4tssinn spricht), zum anderen ist unter ihnen folgende Haltung weitverbreitet: &#8222;Mir ist so etwas ja noch nie passiert, also gibt es das auch nicht!&#8220; Aus diesem Gedanken leiten sie den n\u00e4chsten ab: &#8222;Da es so etwas nicht gibt, kann mir auch in Zukunft nichts passieren!&#8220;. Schlie\u00dflich haben sie noch ein ganz besonders &#8222;gutes&#8220; Argument auf Lager, mit dem sie &#8222;paranoide Schwarzseher&#8220; wie mich endg\u00fcltig zu widerlegen glauben: &#8222;Warum sollte mir denn irgendjemand etwas tun? Ich tue doch auch niemandem etwas!&#8220;<\/p>\n<p>Das bedeutet, in verst\u00e4ndliche Sprache \u00fcbersetzt: &#8222;Ich bin harmlos, also haben alle anderen auch harmlos zu sein.&#8220;<\/p>\n<p>Wer seine eigene Harmlosigkeit derart lautstark hinausposaunt, kann sich auch gleich ein Schild umh\u00e4ngen mit der Aufschrift &#8222;Opfer&#8220;. Es gibt dort drau\u00dfen so viele v\u00f6llig durchgeknallte Irre, die keinen speziellen Grund brauchen, um auf ihre Mitmenschen loszugehen, dass einem Angst und Bange werden kann. Es gibt dort drau\u00dfen alle Arten von menschlichem Abfall, der zu etwas anderem als Gewalt gar nicht mehr f\u00e4hig ist!  Es gibt so viele Beispiele von pl\u00f6tzlich ausbrechender, scheinbar grundloser, ma\u00dflos eskalierender Gewalt, da\u00df einem schlecht werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Will das jemand ernsthaft leugnen?<\/p>\n<h1>Von W\u00f6lfen und Schafen: Unsichtbare Grenzen<\/h1>\n<p>Nat\u00fcrlich hat Gewalt immer ganz konkrete Ursachen. Doch diese sind in den seltensten F\u00e4llen klar erkennbar. Ebenso ist f\u00fcr Au\u00dfenstehende oftmals nicht nachvollziehbar, was der Ausl\u00f6ser des gewaltt\u00e4tigen Verhaltens war.<\/p>\n<p>Das bedeutet, dass sogenannte &#8222;Normalb\u00fcrger&#8220; es nicht erkennen k\u00f6nnen, wenn sie bestimmte Grenzen \u00fcberschreiten, hinter denen Gewalt und Wahnsinn lauern. In ihrem gewohnten Umfeld, unter Personen, welche das gleiche Wertesystem besitzen, mag es an dieser Stelle gar keine Grenze geben, die man \u00fcberschreiten kann.<\/p>\n<p>Andere Menschen aber haben andere Wertesysteme und andere Grenzen. Manche f\u00fchlen sich schon ernsthaft herausgefordert, wenn man sie l\u00e4nger als zwei Sekunden anstarrt.<\/p>\n<p>Es ist nicht sehr hilfreich, jetzt bockig darauf zu bestehen, dass man ja als freier B\u00fcrger hinsehen kann, wo man will. Es ist auch nicht sehr sinnvoll, sich jetzt dar\u00fcber zu mokieren, dass der Angestarrte m\u00e4chtig einen an der Klatsche haben muss, um sich von einer solchen Kleinigkeit derartig provoziert zu f\u00fchlen, dass er mit blanker Gewalt reagiert. Die ganze Aufregung dar\u00fcber hilft nicht wirklich weiter. Die scheinbare Kleinigkeit wird zum Ausl\u00f6ser brutalster Gewalt, und der Normalb\u00fcrger fragt sich verst\u00f6rt, wie das denn sein kann.<\/p>\n<p>Hier nun finden wir den eklatantesten Denkfehler, der \u00fcberhaupt m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Der Normalb\u00fcrger, der Gewalt so lautstark, besserwisserisch und selbstgerecht ablehnt und sich dar\u00fcber moralisch entr\u00fcstet, \u00fcbertr\u00e4gt f\u00e4lschlicherweise sein Wertesystem auf jede ihm begegnende Situation. Unzul\u00e4ssigerweise geht er davon aus, dass zivilisierte Menschen all\u00fcberall nach den gleichen Richtlinien zu denken, zu handeln und daher Gewalt grunds\u00e4tzlich abzulehnen haben. <\/p>\n<p>Das aber stimmt einfach nicht. <\/p>\n<p>Folglich wird er, oft ohne es zu bemerken, au\u00dferhalb seines vertrauten Umfeldes immer wieder die eine oder andere Grenze verletzen. Ignoriert er dabei die mehr oder minder deutlichen Warnsignale, braucht er sich \u00fcber einen Ausbruch von Gewalt eigentlich nicht zu wundern.<\/p>\n<p>Wer sich aus seinem engsten, vertrautesten Umfeld herausbewegt, der tut gut daran, zu ber\u00fccksichtigen, dass es kein herrenloses Territorium gibt. Irgendjemand erhebt garantiert Anspruch darauf, dass dies sein Gebiet ist. Folglich gelten dort seine Regeln. Das ist die Realit\u00e4t, auch wenn manche das nicht akzeptieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wer den Anspruch auf ein bestimmtes Gebiet (das umfasst nicht nur reale Territorien, sondern auch gedankliche Konstrukte) erhebt, der wird auch in der Lage und Willens sein, dieses Gebiet, diese Grenzen mit Gewalt zu behaupten. Respektiert man diese Grenzen nicht und macht sich unklugerweise vielleicht auch noch dar\u00fcber lustig, wird man die Folgen zu tragen haben. Im schlimmsten Fall bekommt man ein sehr gro\u00dfes St\u00fcck aus dem eigenen, selbstgerechten, \u00fcberheblichen Arsch herausgebissen.<\/p>\n<p>Es n\u00fctzt dann auch nichts, sich im Falle eines Falles auf die obenstehend erw\u00e4hnten gesellschaftlichen Konventionen zu berufen. Wie Animal Mac Young so treffend sagte, sind diese nichts als hei\u00dfe Luft.<\/p>\n<h1>Von W\u00f6lfen und Schafen: Gesetze, Knast und Polizei<\/h1>\n<p>Noch einmal &#8211; zwischen dem gro\u00dfen, b\u00f6sen Wolf (GBW) und dir befinden sich nur imagin\u00e4re Schranken, die absolut nichts wert sind!<\/p>\n<p>Was n\u00fctzt es dem Opfer, wenn der T\u00e4ter hinterher (falls er \u00fcberhaupt gefasst wird) mit einer mehr oder minder milden Strafe davonkommt? Knast hat f\u00fcr viele keinerlei abschreckende Wirkung, soviel ist sicher.<br \/>\nZudem h\u00e4lt der Gedanke an Strafe niemanden davon ab, dich zu einem wimmernden, blutigen Klumpen zu verarbeiten.<\/p>\n<p>Es ist ferner unbedingt notwendig, zu ber\u00fccksichtigen, dass den meisten Gewaltt\u00e4tern die Folgen ihres Tuns v\u00f6llig gleichg\u00fcltig sind. Viele von ihnen sind schon ganz unten und leben in der gesellschaftlichen M\u00fclltonne. Was haben sie noch zu verlieren? Nichts!<\/p>\n<p>Zudem muss man leider konstatieren, dass ein Gro\u00dfteil dieser Gewaltt\u00e4ter tats\u00e4chlich nachweislich unf\u00e4hig ist, aus Erfahrung zu lernen (siehe R\u00fcckfallquote). Was nutzt da die Drohung mit einer Gef\u00e4ngnisstrafe?<\/p>\n<h1>Pr\u00e4vention!<\/h1>\n<p>Das wichtigste ist also Pr\u00e4vention! Du allein bist daf\u00fcr verantwortlich, entsprechend vorbereitet zu sein, wenn irgendwelche W\u00f6lfe testen wollen, ob du ein Schaf bist.<\/p>\n<p>Das jedoch bedeutet, dass Selbstverteidigung wesentlich mehr abdecken muss als nur die Frage, wie man einen ordentlichen Kniesto\u00df hinbekommt. Welcher Selbstverteidigungslehrer aber unterrichtet seine Sch\u00fcler so, dass all die oben erw\u00e4hnten Dinge ber\u00fccksichtigt werden?<\/p>\n<p>Die meisten der angebotenen Kurse sind zum Weinen schlecht. <\/p>\n<p>Nicht nur, dass die dort gezeigten Abwehr-Techniken viel zu kompliziert sind, sie sind selbst von sehr ge\u00fcbten Schwarzgurten nicht effektiv anwendbar. Warum sonst gehen so viele Schwarzgurte in einem echten Kampf gegen einen echten, erfahrenen Stra\u00dfenschl\u00e4ger nach wenigen Sekunden zu Boden? Es w\u00e4re mir neu, zu h\u00f6ren, dass in den \u00fcblichen Selbstverteidigungs-Kursen auch gezielt eine funktionierende Schulung der Gefahrenwahrnehmung betrieben wird.<\/p>\n<p>Es w\u00e4re mir ebenfalls neu, zu h\u00f6ren, dass in derlei Kursen Klartext dar\u00fcber geredet wird, dass es eben leider jede Menge menschlichen Abfall gibt, der gr\u00f6\u00dfte Befriedigung daraus zieht, Gewalt auszu\u00fcben und anderen so richtig wehzutun.<\/p>\n<p>Gegen solche Freaks (und davon gibt es viele!) helfen die \u00fcblichen: &#8222;Und jetzt machen wir diesen echt gef\u00e4hrlichen Hebel&#8220; &#8211; Kurse ungef\u00e4hr so viel wie eine Stecknadel gegen ein w\u00fctend angreifendes Panzernashorn.  Glaubt jemand, da\u00df man ein solches Nashorn mit einem Vorw\u00e4rtsfu\u00dftritt und ein bis zwei geraden Faustst\u00f6\u00dfen aufhalten kann? Ein echter Stra\u00dfenk\u00e4mpfer ist etwa so gef\u00e4hrlich wie dieses Nashorn! <\/p>\n<p>Ich wei\u00df, so etwas m\u00f6chte eigentlich niemand h\u00f6ren. Es ist die Realit\u00e4t, die viele derartig erschreckt, dass sie den Kopf in den Sand stecken und ihre heile Welt zu retten versuchen, indem sie mich einen L\u00fcgner hei\u00dfen. Was aber n\u00fctzt es, trotzig mit dem Fu\u00df zu stampfen und sauer zu sein, weil die Welt nicht so ist, wie man sie gern h\u00e4tte? Noch einmal &#8211; nur, weil etwas bisher nicht passiert ist, bedeutet das nicht, dass es niemals passieren wird!<\/p>\n<p>Gewiss ist es eine gute Idee, nicht dorthin zu gehen, wo man mit Gewalt rechnen muss. Das aber hei\u00dft nicht, dass die Gewalt nicht eines Tages zu dir kommen wird! Glaubst du wirklich, sie mit einem Schild &#8222;Betreten verboten!&#8220; daran hindern zu k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Au\u00dferdem begibt man sich manchmal gezwungenerma\u00dfen an Orte, die echt gef\u00e4hrlich sind. Von daher ist es mir v\u00f6llig unverst\u00e4ndlich, wie man es vers\u00e4umen kann, sich auf Gewalt vorzubereiten, so gut es eben geht.<\/p>\n<p>Manche glauben nun, da\u00df sie genau das tun, indem sie den Kampfsport XY aus\u00fcben. Tja, wie der Name schon sagt, es handelt sich dabei um einen Sport. Dieser wird nach Regeln (und seien sie noch so rudiment\u00e4r) ausge\u00fcbt.  \u00dcberraschung, \u00dcberraschung &#8230; auf der Stra\u00dfe gelten diese Regeln nicht! Man sollte meinen, das sei allgemein bekannt, doch das Gegenteil ist der Fall. Dabei d\u00fcrfte es doch niemanden wundern, dass der gro\u00dfe b\u00f6se Wolf nur nach seinen eigenen Regeln spielt \u2026<\/p>\n<p>Die treuherzigen Versicherungen diverser Kampfsportler, sie seien bestens ger\u00fcstet f\u00fcr den Fall der F\u00e4lle, werden dem Wolf h\u00f6chstens ein belustigtes Schnauben entlocken und ihn in Verz\u00fcckung dar\u00fcber versetzen, dass es ihm so leicht gemacht wird &#8230;<\/p>\n<p>Um Missverst\u00e4ndnissen vorzubeugen &#8211; Rangeleien zwischen frustrierten Normalb\u00fcrgern betrachte ich nicht als echte K\u00e4mpfe, selbst wenn es dabei blutige Nasen geben sollte. Das sind lediglich harmlose Schubsereien zwischen Schafen. Das Gefahrenpotential dieser Art von Auseinandersetzungen ist so gering, dass man es mit der Lupe suchen muss. Wer solche Auseinandersetzungen mehrfach hinter sich gebracht hat, glaubt vielleicht, dass er etwas vom K\u00e4mpfen versteht &#8230; allein, er irrt.<\/p>\n<p>In diesem Lichte mu\u00df man die Aussagen vieler selbsternannter Kampfkunstmeister sehen, die vollmundig verk\u00fcnden, sie w\u00fcrden realistische Selbstverteidigung lehren. Der erste Wolf, der ihnen begegnet, wird sie ohne viel Federlesen fressen, zumindest aber gr\u00fcndlich durchkauen, dann ausspucken und auf den Resten herumtrampeln. Das durch nichts gerechtfertigte Selbstvertrauen dieser \u201eMeister\u201c erleichtert ihm die Jagd betr\u00e4chtlich.<\/p>\n<p>Folglich solltest du es dem Wolf so schwer wie m\u00f6glich machen. Gro\u00dfe b\u00f6se W\u00f6lfe suchen Opfer, keine Gegner. Wenn sie merken, dass du ihnen einen echten Kampf liefern wirst, werden sie es sich dreimal \u00fcberlegen, ob sie dich angreifen. Dazu aber musst du wissen, was echter Kampf ist.<\/p>\n<p>Echter Kampf hei\u00dft immer, dass es auf des Messers Schneide steht (das kannst du oft w\u00f6rtlich nehmen). Echter Kampf hei\u00dft, dass jemand schwer verletzt werden wird. Echter Kampf hei\u00dft, dass du keinen Gedanken daran verschwendest, ob du den gro\u00dfen b\u00f6sen Wolf besiegen kannst, sondern nur \u00fcberlegst, wie du ihm so viel Schmerz und Schaden zuf\u00fcgst, dass es f\u00fcr ihn zu teuer wird, dich zu fressen. Echter Kampf hei\u00dft, dass du immer mit schweren Blessuren daraus hervorgehst. <\/p>\n<p>Wer den echten Kampf kennengelernt hat, der wir ihm k\u00fcnftig soweit wie m\u00f6glich aus dem Weg gehen wollen.<br \/>\nDas hei\u00dft, dass du die anpirschenden W\u00f6lfe schon von weitem wahrnehmen musst. Das hei\u00dft, dass du wissen musst, in wessen Territorium du dich bewegst und was dort f\u00fcr Regeln gelten. Das hei\u00dft, dass du so k\u00e4mpfen k\u00f6nnen musst, dass es f\u00fcr den Wolf das Ende bedeuten kann, sich mit dir anzulegen.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft aber auch, dass du diese F\u00e4higkeit nicht dauernd heraush\u00e4ngen lassen darfst, da sich b\u00f6se, aber unerfahrene W\u00f6lfe sonst bem\u00fc\u00dfigt f\u00fchlen, zu testen, ob du wirklich so ein harter Brocken bist \u2026<\/p>\n<p>Nein, ich bin kein &#8222;Theoretiker&#8220;. Ich wei\u00df, was Gewalt ist, wie sie aussieht, wie sie sich anf\u00fchlt. Ich habe in meinem Leben viel Gewalt erlebt. Sehr viel sogar. Ich wei\u00df also, wovon ich rede.<\/p>\n<p>Es geht mir nicht darum, zu Gewalt aufzurufen oder Gewalt und hemmungslos ausgelebte Aggressionen zu rechtfertigen.<br \/>\n(Ist es nicht traurig, da\u00df ich das extra betonen mu\u00df, nur um ja nicht mi\u00dfverstanden zu werden?)<br \/>\nAber ich halte es f\u00fcr sinnvoll, sich mit Gewalt nicht nur oberfl\u00e4chlich auseinanderzusetzen. Und zu einer ernsthaften Auseinandersetzung mit diesem Thema geh\u00f6rt nun einmal die Frage, wie man mit Gewalt umgeht, wenn man selbst davon betroffen ist.<br \/>\nIch halte es zudem <strong>nicht<\/strong> f\u00fcr unmoralisch, sich gegen Gewalt energisch zur Wehr zu setzen. Wenn es sein mu\u00df, mit Gewalt.   <\/p>\n<p>Gewalt ist ein Bestandteil dieser Welt, und es hat keinen Sinn, das zu leugnen. Selektive Wahrnehmung aber, welche Gewalt ausklammert, rettet dir nicht den Hintern, wenn es ernst wird.  Also lerne, was immer dir n\u00fctzt, um besagten K\u00f6rperteil m\u00f6glichst jederzeit blitzschnell in Sicherheit bringen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Es wird, wenn du ernsthaft daran interessiert bist, deinen Horizont betr\u00e4chtlich erweitern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt einen riesengro\u00dfen Unterschied zwischen dem, was Gewalt tats\u00e4chlich ist und dem, was davon wahrgenommen wird. Gewalt wird oftmals nicht als solche erkannt. 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