{"id":450,"date":"2013-06-17T17:49:55","date_gmt":"2013-06-17T15:49:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/?p=450"},"modified":"2013-07-09T07:16:28","modified_gmt":"2013-07-09T05:16:28","slug":"schmerz-angst-loslassen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/technik\/schmerz-angst-loslassen\/","title":{"rendered":"Schmerz, Angst, loslassen"},"content":{"rendered":"<p>Da dieser Blog auch ab und an unseren Sch\u00fclern Raum geben soll, um ihre Gedanken zu \u00e4u\u00dfern, hier nun ein Beitrag eines meiner Sch\u00fcler zum Thema &#8222;Schl\u00e4ge&#8220;:<\/p>\n<p><strong>Schmerz, Angst, loslassen<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe mich als Kind niemals wirklich gepr\u00fcgelt. Aber eins wusste ich: Geschlagen werden tut weh! Keine gute Grundlage f\u00fcr mein erstes Schlagtraining? In der Tat! Was fangen die denn auch beim Judo auf einmal mit Schl\u00e4gen an!?<\/p>\n<p>Trotzdem stellte ich mich dem Ganzen. Verkrampft, \u00e4ngstlich, aber was sollte man machen, man wollte das ja lernen und vor allen Dingen wollte man auch die anderen schlagen d\u00fcrfen. Also durch da! <\/p>\n<p>St\u00e4ndig die Worte des Trainers, sp\u00e4ter des Lehrers: \u201eLass doch mal locker!\u201c Das klingt ja erst mal wie eine saubl\u00f6de Idee. So wie: \u201eJa, ja, geh ruhig n\u00e4her ans Feuer. Ach, eigentlich kann man sich da auch reinsetzen.\u201c Aber irgendwann fasste man den Mut und \u201e\u00f6ffnete\u201c die Brust lie\u00df locker und ging sogar (was ein Irrsinn!) in den Schlag hinein und was soll man sagen es funktionierte.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Erstaunlicherweise wurde der Schmerz weniger\u2026 <\/p>\n<p>Dann noch ein Tipp \u201eUnd jetzt grinsen, Stephan! L\u00e4chle dem Schlag entgegen.\u201c Das klang nun wirklich absurd! Aber was soll\u2018s, der vorige \u201eBl\u00f6dsinn\u201c hat ja auch schon funktioniert. Also l\u00e4cheln\u2026 und tats\u00e4chlich: auf einmal tat der Schlag nicht mehr weh bzw. man entwickelte eine andere Einstellung dazu:<\/p>\n<p>Man wartete den Schlag ab, ohne Erwartung, und evaluierte erst, tat das jetzt eigentlich weh? Und langsam verstummte die innere Stimme, die sagte \u201eAch du meine G\u00fcte, er schl\u00e4gt dich gleich! Es wird gleich wehtun, denn Schl\u00e4ge tun nun mal weh!\u201c und machte einer Stimme Platz, die manchmal sagt \u201eNa, das war nun wirklich nichts.\u201c Oder manchmal auch \u201eUi, ui, ui, der hat wirklich gesessen.\u201c<\/p>\n<p>Doch der Schmerz wurde auch in den zweiten F\u00e4llen im Vergleich zu vorher geradezu l\u00e4cherlich gering. Und die These dr\u00e4ngte sich auf, war von dem Schmerz den du gef\u00fchlt hast nicht eigentlich 80% nur Angst? Habe ich vielleicht gar keine Schmerzen mehr, wenn ich gar keine Angst habe?<\/p>\n<p>In der Tat stellt man als jemand der sich vorher nie richtig gepr\u00fcgelt hat irgendwann fest: Moment mal, Schl\u00e4ge tun gar nicht grunds\u00e4tzlich weh und dieser anerzogene Reflex \u201eOh, Gott, ein Schlag, das bedeutet Schmerzen\u201c weicht langsam und macht einem \u201eSchlaggourmet\u201c Platz, wie mal ein Freund spa\u00dfte, der den Schlag abwartet und langsam feststellt: \u201eOh ja\u2026,[schmatz] ja, ja, [mjam, mjam] \u2026 Da kam tats\u00e4chlich was \u00fcber, oh ja der hat so eine interessante Nachwirkung. Kann ich den nochmal haben?\u201c Und durch die Entspannung und die passenden Bilder h\u00e4lt man so sogar Schl\u00e4ge aus, bei denen bei anderen die Rippen brechen und denkt sich: \u201eAha, interessant, ja der hat ordentlich Wumms.\u201c<\/p>\n<p>Sollte man sich deshalb regelm\u00e4\u00dfig schlagen lassen? Sollte man deshalb keine Angst mehr vor Schl\u00e4gen haben? <\/p>\n<p>Die erste Frage sollte man als Kampfk\u00fcnstler durchaus mit \u201eJa\u201c beantworten, denn nur so erh\u00e4lt man ein realistisches Bild seiner F\u00e4higkeiten im Kampf und wei\u00df was man aushalten kann. Als Nicht-Kampfk\u00fcnstler ist das nicht unbedingt n\u00f6tig, dennoch sollte man sich von diesem Reflex l\u00f6sen der einem sagt: \u201eSchlagen bedeutet Schmerzen.\u201c Denn erstens bel\u00fcgt man sich damit selbst und zweitens erwartet man, dass es auch umgekehrt funktioniert und das jedem, den man schl\u00e4gt, das auch wehtut. Und auf einmal trifft man auf einen \u201eSchlaggourmet\u201c, dem das gar nichts ausmacht, wenn man ihm halbherzig die Faust irgendwohin donnert.<\/p>\n<p>Die zweite Frage ist interessanter zu beantworten! Doch, man sollte durchaus Angst vor (manchen) Schl\u00e4gen haben, denn es gibt immerhin die, die dich ins Land der Tr\u00e4ume schicken k\u00f6nnen, die Schl\u00e4ge, auf die du nicht vorbereitet warst und die, wo auch mit dem besten Bild etwas bricht. Aber man sollte sich nicht schon f\u00fcrchten nur weil der Andere zum Schlag ausholt, denn die schlimmsten Schl\u00e4ge sind ohnehin die, die du nicht kommen siehst. Halt dich nicht an dem Gedanken fest, dass Schl\u00e4ge wehtun. Umklammere nicht die Angst, die sagt, \u201eHilfe, ein Schlag!\u201c, die Angst, die l\u00e4hmt und nur noch dem Gedanken Raum l\u00e4sst gleich kommt der Schmerz. <\/p>\n<p>Sondern: guck dir den Schlag an und frag dich: hat der \u00fcberhaupt die Power, mich zu verletzen? Wo geht der Schlag hin, kann mir ein Schlag dorthin \u00fcberhaupt wirklich gef\u00e4hrlich werden? Vielleicht stellt man fest, ja verdammt, das tut er. Aber nur wenn man mit dieser Offenheit an den Schlag geht wird man ihn, so annehmen k\u00f6nnen, dass er einem nicht mehr gef\u00e4hrlich wird. <\/p>\n<p>Und man hat etwas gelernt, was nicht nur im Training hilft, sondern f\u00fcrs ganze Leben: Ansehen, annehmen, loslassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da dieser Blog auch ab und an unseren Sch\u00fclern Raum geben soll, um ihre Gedanken zu \u00e4u\u00dfern, hier nun ein Beitrag eines meiner Sch\u00fcler zum Thema &#8222;Schl\u00e4ge&#8220;: Schmerz, Angst, loslassen Ich habe mich als Kind niemals wirklich gepr\u00fcgelt. 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