{"id":592,"date":"2013-11-20T15:47:28","date_gmt":"2013-11-20T13:47:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/?p=592"},"modified":"2013-11-21T22:38:25","modified_gmt":"2013-11-21T20:38:25","slug":"das-gehirn-und-die-bilder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/allgemein\/das-gehirn-und-die-bilder\/","title":{"rendered":"Das Gehirn und die Bilder"},"content":{"rendered":"<p>Ich wurde in letzter Zeit oft gefragt was ich mit \u201eden Bildern\u201c meinen w\u00fcrde und wie sie denn das Training beeinflussen w\u00fcrden\u2026<\/p>\n<p>Um auf die Bilder und ihre Wirkungsweise eingehen zu k\u00f6nnen muss ich jedoch zun\u00e4chst einen kleinen Ausflug in die Neuroanatomie und die Neurobiologie machen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Keine Angst ich will mich hier nicht in wissenschaftlichen Einzelheiten auslassen sondern m\u00f6chte lediglich einen allgemeinen (und stark vereinfachten) \u00dcberblick \u00fcber den Aufbau und die Funktion des menschlichen Gehirns vermitteln.<\/p>\n<p>Der Aufbau unseres Gehirns ist interessanter Weise mit der Evolution des Menschen eng verbunden. So wie die ersten Lebewesen zun\u00e4chst lernen mussten sich um ihre inneren Abl\u00e4ufe zu k\u00fcmmern so ist die Basis des menschlichen Gehirns auch damit besch\u00e4ftigt:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/20131120-143112.jpg\"><img src=\"https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/20131120-143112.jpg\" alt=\"20131120-143112.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p>Bildquelle: Wikipedia<\/p>\n<p>Im sogenannten Hirnstamm (bestehend aus dem Mittelhirn, der Br\u00fccke und dem verl\u00e4ngerten Mark) werden die grundlegensten Funktionen des menschlichen K\u00f6rpers \u00fcberwacht und gesteuert, z. B. Atmung, Gleichgewicht, Verdauung, der Blutkreislauf und noch vieles mehr. Es wird auch gerne als \u201eReptiliengehirn\u201c bezeichnet, da es ungef\u00e4hr dem entspricht, was die Reptilien k\u00f6nnen. Hier ist alles auf das \u00dcberleben programmiert, im Inneren wie im \u00c4u\u00dferen. Es sind sehr schnell funktionierende und sehr einfache Reaktionen die hier abgerufen werden. Wenn ein Mensch wirklich um sein Leben f\u00fcrchten muss, ist dies die Region die die Kontrolle \u00fcbernimmt (im Rahmen der noradrenergen Erregungsausbreitung). \u201eFight, Flight, Freeze\u201c hat hier seinen Ursprung.<\/p>\n<p>Dem Hirnstamm nach hinten angelagert ist das Kleinhirn (Cerebellum), von ihm werden unsere (unbewu\u00dften) Bewegungen gesteuert und es spielte eine gro\u00dfe Rolle beim motorischen Lernen, der Aufmerksamkeit und dem Sprechen.<\/p>\n<p>Die n\u00e4chste Hirnregion auf dem Weg zum \u201eMensch sein\u201c ist die des Zwischenhirns. Hier haben unsere Gef\u00fchle ihren Ursprung, hier lernen wir, hier kommen unsere Treibe her und hier ist das \u201eTor zu unserem Bewusstsein\u201c.<\/p>\n<p>Die letzte Stufe ist das \u201eGro\u00dfhirn\u201c. Diese Hirnregion ist bei uns Menschen am gr\u00f6\u00dften entwickelt und unterscheidet uns von allen anderen Tieren. Sie liegt wie eine Haube dem restlichen Gehirn auf. Ihren Aufbau will ich von hinten nach vorne erkl\u00e4ren:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/20131120-143525.jpg\"><img src=\"https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/20131120-143525.jpg\" alt=\"20131120-143525.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p>Bildquelle: Wikipedia<\/p>\n<p>Ganz hinten (im Okzipitallappen) werden visuelle Informationen verarbeitet und mit anderen Informationen des K\u00f6pers abgeglichen. Im Parietallappen, etwas weiter vorne, kommen sensorische Informationen aus s\u00e4mtlichen Regionen des K\u00f6rpers an und werden in h\u00f6heren Denkprozessen verarbeitet (z.B. r\u00e4umliches Denken, Lesen, Rechnen). Au\u00dferdem findet hier die Integration des K\u00f6rpers mit anderen Informationen (z.B. dem Sehen) statt, also die r\u00e4umliche Koordination und Aufmerksamkeit.<br \/>\nSeitlich, im Bereich der Schl\u00e4fe, liegt der Temporallappen. Dort wird das Sprechen gesteuert und die Informationen aus unserem H\u00f6rsystem verarbeitet. Eine weitere, sehr wichtige Funktion, sitzt ebenfalls im Temporallappen, die des Ged\u00e4chtnisses.<br \/>\nVor dem Parietallappen und mittig vom Temporallappen sitzt der Frontallappen. Hier werden ebenfalls mehrere Dinge gesteuert. Zum einen liegt hier der Bereich des Gehirns in dem unsere bewussten Bewegungen gesteuert werden und zum anderen unsere \u201ePers\u00f6nlichkeit\u201c. Dieser, wahrscheinliche wichtigste, Teil unseres \u201eMensch seins\u201c findet in den sogenannten Assoziationsarealen des Gehirns statt, die im \u201eorbitofrontalen Cortex\u201c  (OFC) liegen, der Region ganz vorne hinter unserer Stirn.<\/p>\n<p>Zum Verst\u00e4ndnis der Funktionsweise unseres Gehirns darf man sich die einzelnen Areale nicht voneinander isoliert vorstellen, im Gegenteil! Alle Bereiche des Gehirns stehen miteinander in enger Verbindung und die einzelnen Funktionen werden auch in anderen Bereichen mit gesteuert und ver\u00e4ndert, wobei im Notfall die untersten Regionen die obersten \u201e\u00fcberstimmen\u201c k\u00f6nnen.<br \/>\nWenn ich zum Beispiel extreme Panik bekomme \u00fcbernimmt eine Region im Hirnstamm (der Locus coeruleus) das Kommando und wir k\u00f6nnen \u201enicht mehr klar denken\u201c. Alles in unserem Gehirn und K\u00f6rper wird auf Instinktebene bestimmt und wir k\u00e4mpfen, fliehen oder werden starr vor Angst, in wie weit wir da noch Einfluss nehmen k\u00f6nnen h\u00e4ngt dann von vielen Faktoren ab, u.a. unseren bisher gemachten Erfahrungen, \u00c4ngsten und Traumata.<\/p>\n<p>War man bis vor einigen Jahren noch der Meinung unser Gehirn k\u00f6nne sich ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr ver\u00e4ndern, so wei\u00df man heute, dass sich unser Gehirn ein Leben lang ver\u00e4ndern kann.<br \/>\nEs ist wie ein Muskel, die Bereiche die man trainiert werden gr\u00f6\u00dfer und st\u00e4rker, die, die man vernachl\u00e4ssigt, werden kleiner und d\u00fcnner. Das ist der Grund warum wir uns Zeit unseres Lebens \u00e4ndern k\u00f6nnen, warum aus einem Massenm\u00f6rder wie Joshua Blahyi (der als Warlord an der Ermordung von mehr als 20000 Menschen beteiligt war) ein Priester werden kann, der sich liebevoll um seine Gemeinde und Familie k\u00fcmmert.<\/p>\n<p>Ich sprach oben von dem OFC als Sitz unserer \u201ePers\u00f6nlichkeit\u201c. Was macht denn unsere Pers\u00f6nlichkeit aus? Es sind die Entscheidungen die wir treffen. Warum treffen wir Entscheidungen? Tja, jetzt wird es schon schwieriger.<br \/>\nGanz kurz und stark vereinfacht:<br \/>\nAuf Grund der Vernetzungen unseres OFC mit dem Zwischenhirn (wo unsere Emotionen sitzen) und dem Stammhirn (wo unsere Instinkte sitzen).<br \/>\nDiese Vernetzungen finden u.a. in einer Region namens \u201eInsula\u201c statt, die zwischen Temporallappen und Frontallappen sitzt und einer Region namens \u201eCingulate cortex\u201c die am Boden des Frontallappens liegt (also auf dem Zwischenhirn). Diese Regionen sind die Schaltstellen der Integration unserer Gef\u00fchle, unserer Instinkte mit unserem Bewusstsein, man k\u00f6nnte auch sagen \u201eunseres Verstandes unserer Seele und unseres K\u00f6rpers\u201c.<br \/>\nWie tief diese Verankerung unseres Bewusstseins mit unseren Instinkten reicht kann man daran sehen, dass, wenn man eine Region im Hirnstamm namens \u201eperiaqueductalem Grau\u201c ausschaltet (wo eben der Sitz, bzw. Ursprung, des Fight \/ Flight \/ Freeze Programms ist), man sofort bewusstlos wird.<\/p>\n<p>Was aber ist nun die Basis auf der unser Gehirn funktioniert, was f\u00fchrt dazu dass wir Entscheidungen treffen? Es sind Bilder. Bilder die in unseren Hirnzentren abgespeichert sind. Ein Bild wird immer mit einem anderen Bild verglichen und\/oder angepasst um eine \u00c4nderung herbeizuf\u00fchren. Es wir quasi ein Sollwert mit einem Istwert verglichen und dann der Istwert an den Sollwert angeglichen. Die Bilder werden als Erregungsmuster einzelner Hirnzellen gespeichert und bei Bedarf abgerufen. Je \u00f6fter ich also ein Bild abrufe, desto stabiler, schneller und gr\u00f6\u00dfer wird der Weg, der dazu n\u00f6tig ist. Auf der Ebene der K\u00f6rperregulation ist dies noch recht einfach und \u00fcberschaubar (Blutdruck \/ Puls werden z. B. an das Gehirn zur\u00fcckgemeldet und dort beeinflusst), aber sp\u00e4testens auf der Ebene der Gef\u00fchle und Bewegungen wird das ganze System sehr gro\u00df und un\u00fcbersichtlich da extrem viele Faktoren (Bilder) die Regulation beeinflussen.<\/p>\n<p>Wichtig ist sich zu merken, dass das Gehirn Bilder in Form von Erfahrungen braucht um sie sp\u00e4ter wieder abrufen zu k\u00f6nnen!<\/p>\n<p>Im OFC werden die verschiedenen Bilder der unterschiedlichsten Regionen miteinander verglichen, gewichtet und verst\u00e4rkt, bzw. geschw\u00e4cht. Je nachdem welche Wege ich \u00f6fter einschlage (oder eingeschlagen habe), desto gr\u00f6\u00dfer und st\u00e4rker wird dieser Weg und damit dieses Bild, desto wichtiger wird es f\u00fcr meine Pers\u00f6nlichkeit. Es wird als wichtiger in meinem OFC gewertet und bestimmt dort meine Entscheidungen.<\/p>\n<p>Nun hat das Gehirn noch neben den breiteren Wegen eine andere Art der Wichtung: die der chemischen Botenstoffe. Um bei dem Beispiel mit dem \u201eFight, Flight, Freeze\u201c zu bleiben ist dies das Noradrenalin. Wenn ein Hirnareal (in diesem Fall der Locus coeruleus) diesen Stoff freisetzt, werden dessen Bilder f\u00fcr den OFC sehr viel wichtiger und alles andere verblasst und wird unwichtig, wir werden \u201einstinktgesteuert\u201c.<br \/>\nAndere Stoffe, die eine Wichtung bewirken, sind Dopamin und Serotonin die bei S\u00fcchten, Traumata oder auch der Liebe eine wichtige Rolle spielen.<\/p>\n<p>Wir haben jetzt also den OFC, die Insula und das Cingulum  wo die Bilder der verschiedenen Hirnregionen zusammenlaufen und verarbeitet \/ gewichtet  werden. Da unser Gehirn ein sehr sehr plastisches und effektives Gebilde ist, werden die Verbindungen also nicht nur f\u00fcr ein einziges Bild genutzt sondern f\u00fcr die \u00dcbermittlung von sehr vielen verschiedenen Bildern. Dieses Verst\u00e4ndnis des menschlichen Gehirns ist absolut essentiell f\u00fcr alles Weitere, was ich in den folgenden Beitr\u00e4gen zu diesem Thema schreiben m\u00f6chte, daher will ich es mit einem Bild verdeutlichen:<\/p>\n<p>Wie oben beschrieben formt das Nutzen bestimmter Bilder Wege in unserem Gehirn. Das Abrufen der Bilder baut diese Wege aus. Von einem Trampelpfad zu einem gepflasterten Weg, zu einer einspurigen Stra\u00dfe bis hin zur sechsspurigen Autobahn. Im Laufe unserer Entwicklung ist der Ausbau bestimmter Regionen zu einigen Zeiten einfacher als zu anderen, er ist aber prinzipiell immer m\u00f6glich!<br \/>\nW\u00e4hrend der ersten Lebensmonate geht der Ausbau rasant voran, nach drei bis vier Jahren wird es langsamer um in der Pubert\u00e4t noch einmal richtig Fahrt aufzunehmen. Nicht alle Areale werden zu aller Zeit gleich stark ausgebaut, auch da gibt es Unterschiede, aber das w\u00fcrde hier zu weit f\u00fchren.<br \/>\nWichtig ist: der Ausbau der Stra\u00dfen durch Abrufen der Bilder findet immer statt, mal mehr, mal weniger schnell.<br \/>\nJetzt kommt das Entscheidende:<\/p>\n<p>Die Bilder (Fahrzeuge) formen zwar den Weg, ist er aber einmal gro\u00df genug, so k\u00f6nnen auch andere Fahrzeuge darauf fahren.<\/p>\n<p>Konkret bedeutet dies zum Beispiel, dass ein emotionales Bild (z.B. die Sicherheit durch die Mutter) eine ausgepr\u00e4gte Stra\u00dfe vom OFC zum Zwischenhirn baut, diese Autobahn aber auch von vielen anderen Bildern (Fahrzeugen) genutzt werden kann und vor allem auch bei Entscheidungen genutzt wird, wer will schon eine kleine holprige Nebenstra\u00dfe nutzen, wenn die gro\u00dfe Autobahn nebenan ist?<br \/>\nSo wie diese Autobahn nur gebaut werden kann wenn der Weg in der Kindheit oft und intensiv genutzt wird, so kann sie auch im Laufe der weiteren Entwicklung wieder zu einer verfallenen und \u00fcberwucherten Stra\u00dfe werden, die immer weiter verwittert und letztendlich nur ein kleiner Feldweg ist, \u00fcber die kaum noch ein Auto kommt. Die Nutzung der Wege entscheidet \u00fcber ihren Zustand.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite bedeutet dies aber auch, dass ein eingefahrener und damit breiter Weg bevorzugt genutzt wird, was sehr n\u00fctzlich sein kann, was einen Menschen aber auch in seiner Denk- und Handlungsweise sehr einschr\u00e4nken kann: Wenn ich immer nur spezielle Wege nutze um meine Probleme zu l\u00f6sen, kann ich irgendwann auch nur noch diese Wege sehen, da sie so breit geworden sind. Das ist dann zwar hoch effektiv, aber nur solange sich gewisse \u00e4u\u00dfere Umst\u00e4nde nicht \u00e4ndern.<br \/>\nEin \u201eKopfmensch\u201c, der gelernt hat logisch und rational zu entscheiden, diese Wege perfektioniert hat und evtl. auch noch einen entsprechenden Studiengang absolviert hat (z.B. Mathe, Physik oder eine \u201eGeisteswissenschaft\u201c) wird sich immer auf diesen Wegen aufhalten, einfach weil sie da sind. Er wird sich in einer Umwelt bewegen in der er mit seinen \u201eL\u00f6sungswegen\u201c gut zurecht kommt, wo er erfolgreich ist. Je \u00f6fter er erfolgreich ist, desto mehr wird dieser Weg verst\u00e4rkt und andere Wege verk\u00fcmmern.<br \/>\nWenn diese Person vor einem Problem steht wird sein OFC das Abbild dieses Problems mit vorhanden Erfahrungen zur L\u00f6sung \u00e4hnlicher Probleme vergleichen und dabei die Autobahnen eher nutze als die Feldwege. Findet es eine L\u00f6sung wird aus dem Problem eine Herausforderung und man macht sich an die L\u00f6sung. Findet man keine L\u00f6sung, dann wird das Problem gr\u00f6\u00dfer und gef\u00e4hrlicher (f\u00fcr das Selbstbild, die Gesundheit, den sozialen Status etc.).<\/p>\n<p>Das Problem r\u00fcckt immer mehr in den Fokus unserer Aufmerksamkeit, andere Dinge werden immer unwichtiger, je gef\u00e4hrlicher und gr\u00f6\u00dfer, desto genauer nimmt unser Instinkt sich dieses Problems an und desto mehr feuert unser Locus coeruleus mit seinem Noradreanlin. Dies bewirkt eine unspezifische Aktivierung im OFC, mit anderen Worten es wird fieberhaft nach L\u00f6sungsm\u00f6glichkeiten gesucht, alle vorhandenen Wege werden genutzt, die Autobahnen mehr und schneller als die Feldwege.<br \/>\nFinde ich auf diesem Weg keine L\u00f6sung \u00fcbernehmen immer tiefer liegende Zentren die Kontrolle: \u201ees geht ans Eingemachte\u201c. Je gef\u00e4hrlicher das Problem f\u00fcr die Dinge wird, die uns wichtig sind, desto tiefer und intensiver geht die Aktivierung.<br \/>\nAuf der Ebene der k\u00f6rperlichen Unversehrtheit (bei einem \u00dcberfall, dem Kontakt mit einem gef\u00e4hrlichen wilden Tier etc.) \u00fcbernimmt dann unser \u201eInstinktzentrum\u201c und uralte \u00dcberlebensprogramme werden abgerufen, in deren Folge unser Gehirn mit Noradrenalin \u00fcberflutet wird und unser K\u00f6rper mit dem Stresshormon Adrenalin.<br \/>\nAlles was nicht unmittelbar eine L\u00f6sung des Problems verspricht wird heruntergefahren, u.a. auch die Vernetzungen des OFC mit anderen Teilen des Gro\u00dfhirns, da eine bewusste Verarbeitung der Informationen (aus dem K\u00f6rper und der Umwelt) zu lange dauert. Die tiefer liegenden Hirnareale greifen auf  diese Informationen \u00fcber schnellere Wege zu und verarbeiten sie schneller und direkter. Sie schw\u00e4chen quasi unser bewusstes Denken.<\/p>\n<p>Ein Beispiel dazu: Treffe ich einen Tiger in freier Wildbahn ist mein Locus coeruleus sofort maximal aktiv, da meine k\u00f6rperliche Unversehrtheit und damit mein \u00dcberleben, maximal bedroht sind. Das Noradrenalin \u00fcberflutet mein Gehirn, sorgt f\u00fcr eine Adreanlinfreisetzung im K\u00f6rper (um ihn auf H\u00f6chstleistung vorzubereiten), f\u00e4hrt mein bewusstes Denken herunter und st\u00e4rkt die Autobahn zu meinen Instinkten. Ich gehe in den \u201eFight\u201c-Modus, wenn ich meine das ich eine Chance habe (z.B. weil ich mir einen Stock, Stein greifen kann) oder in den Flight-Modus um der Bedrohung zu entkommen. Greift mich der Tiger an und ich liege unter ihm wird mein K\u00f6rper den Freeze-Modus aktivieren um uninteressant f\u00fcr ihn zu werden, ich \u201estelle mich tot\u201c. Das alles passiert \u201ewie von selbst\u201c, man schaut sich fasst von au\u00dfen zu.<\/p>\n<p>Nun ist nicht jedes Problem, mit dem wir konfrontiert werden, ein freilaufender Tiger und vor allem tritt es nicht so \u00fcberraschend auf. Dennoch passieren immer die gleichen Dinge wenn ich keine schnelle L\u00f6sung f\u00fcr mein Dilemma finde (z.B. weil meine Autobahnen mich nicht darauf bringen): es kommt zur Noradrenalinfreisetzung und Aktivierung tiefer Hirnregionen.<\/p>\n<p>Wie oben beschrieben f\u00fchrt das zu einer allgemeinen Aktivierung im OFC und zu einer \u201eReizoffenheit\u201c mit der das Gehirn nach alternativen L\u00f6sungen zu den breiten Autobahnen (die ja so schnell keine L\u00f6sung gefunden haben) sucht. Ist die Bedrohung nicht unmittelbar eine Gefahr f\u00fcr uns (wie der Tiger) kann diese Aktivierung lange (Tage, Wochen, Monate, Jahre) anhalten. Nach einigen Tagen\/Wochen f\u00fchrt dies zu einer Freisetzung einer anderen Substanz im Gehirn: dem Kortisol. Das Kortisol hat im Gehirn spezielle Rezeptoren \u00fcber die es eine sehr interessanter und auch wichtige Funktion erf\u00fcllt:<\/p>\n<p>Es baut Autobahnen ab und beg\u00fcnstigt den Ausbau andere Wege!!!!<\/p>\n<p>Wenn ich also l\u00e4ngerer Zeit einem Problem ausgesetzt bin, f\u00fcr das ich keine L\u00f6sung finde und\/oder welches mich in einen Stresszustand bringt, beg\u00fcnstigt dies die Ver\u00e4nderung meines Gehirns. Eingefahrene Muster, \u00fcber die ich keine L\u00f6sung finden konnte, werden abgebaut und andere werden aufgebaut, die eventuell zu einer L\u00f6sung f\u00fchren k\u00f6nnen. Da dies sehr stark im OFC passiert kann mich also eine solche Situation in meiner Pers\u00f6nlichkeit ver\u00e4ndern, da ja die neuen Autobahnen von vielen Fahrzeugen genutzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Bleiben wir bei einem extremen Beispiel: dem Warlord \u201eGeneral Butt Naked\u201c, Joshua Blahyi, den ich oben schon erw\u00e4hnte.<br \/>\nWie man sich vorstellen kann, bringt einen das Morden und T\u00f6ten von Menschen auf grausamste Weise in einen chronischen Stresszustand, d.h. er ist emotional instabil, sein Gehirn durch das permanente Kortisol jederzeit formbar.<br \/>\nEines Tages machte dieser Mann die Bekanntschaft mit einem Priester, der ihn mit dem katholischen Glauben in Kontakt brachte. Aus irgendeinem Grund besch\u00e4ftigte sich Blahyi nun mit dieser Lehre und formte somit andere Autobahnen aus, vornehmlich solche die seinen OFC mit seinem Zwischenhirn verbinden, denn das macht die Auseinandersetzung mit Religion. Wahrscheinlich gab es da auch schon vorher eine starke Stra\u00dfe hin, denn auch Wut und Hass verbinden den OFC mit dem Zwischenhirn, aber die Religion scheint eine Abzweigung\/Abfahrt geschaffen zu haben, die daf\u00fcr sorgte das dieser Mann ein liebvoller Familienvater und Priester geworden ist.<br \/>\nDurch die intensive Nutzung bestimmter Muster \/ Bilder wurden neue Stra\u00dfen ausgebaut und vorhandene weniger genutzt. Dies f\u00fchrte zu einer neuen \u201eStra\u00dfenlandschaft\u201c und damit auch zu anderen L\u00f6sungsm\u00f6glichkeiten bei auftretenden Problemen. Seine Pers\u00f6nlichkeit ver\u00e4nderte sich.<\/p>\n<p>OK, das Beispiel des \u201ebekehrten\u201c Warlords ist extrem und mit Sicherheit nicht allt\u00e4glich (falls er es auch nicht nur spielt), aber man kann an ihm sch\u00f6n den Effekt der \u201eneuronalen Plastizit\u00e4t\u201c erkl\u00e4ren und wie Verhalten \u00fcberhaupt ver\u00e4ndert werden kann.<\/p>\n<p>Was hat zu angeblichen \u00c4nderung Blahyis gef\u00fchrt? Der Kontakt zu Religion. Was macht Religion? Sie hat eine sehr bildliche Sprache. In der christlichen Religion sind es Gleichnisse, im Zen sind es die Koan, die einen vor bildliche Probleme stellen (Wie kommt die Gans in die Flasche?) und in verschiedenen schamanistischen Religionen sind es Bilder aus der Natur und dem Tierreich.<\/p>\n<p>Die Besch\u00e4ftigung mit Dingen, die ein Bild in unserem Gehirn erzeugen, z.B. \u201eGans in der Flasche\u201c, erleichtert es unserem Gehirn bestimmte Wege auszubauen. Durch ein Bild werden im OFC sehr viele Hirnareale angesprochen, da ein Bild immer auf verschiedenen Ebenen wirkt. Das Bild einer Gans in einer Flasche wirkt emotional (die arme Gans), r\u00e4umlich (wie passt die da rein), probleml\u00f6send (wie kriege ich sie da wieder raus) und noch vieles mehr. Alle Bilder, die wir \u00fcber G\u00e4nse und Flaschen haben und auch deren Beziehung zueinander, werden dadurch aktiviert, auf diesen Stra\u00dfen fahren also Fahrzeuge.<br \/>\nDie Frage \u201eWie kommt die Gans in die Flasche?\u201c bewirkt noch etwas anderes: Sie stellt unser Gehirn vor ein Problem, das es meint l\u00f6sen zu m\u00fcssen. In diesem Falle gibt es aber keine logische Erkl\u00e4rung und unsere Emotionen (Wut, Verzweifelung, Ratlosigkeit etc.) werden aktiviert, ich rekrutiere also mehr Fahrzeuge auf einem gr\u00f6\u00dferen Wegenetz. Das f\u00fchrt bei unserer Gans nat\u00fcrlich auch zu keiner L\u00f6sung, aber die Autos fahren auf der Stra\u00dfe und die Stra\u00dfe wird damit ausgebaut, das Wegenetz immer weiter und komplexer das Autobahnnetz immer dichter.<br \/>\nDiese bessere Infrastruktur steht meinem Gehirn dann nat\u00fcrlich auch bei anderen Problemen zu Verf\u00fcgung, die nichts mit G\u00e4nsen in Flaschen zu tun haben!<\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte Gefahr f\u00fcr unser Gehirn besteht darin \u201eengstirnig\u201c zu werden, sich nur auf eine Sache zu versteifen. Das f\u00fchrt zu Unflexibilit\u00e4t und zu eingeengtem Denken.<br \/>\nDie Besch\u00e4ftigung mit vielen unterschiedlichen Dingen baut eine gute Infrastruktur in unserem Gehirn aus, die vielf\u00e4ltig genutzt werden kann. Eine bildliche Sprache kann helfen diese Infrastruktur auszubauen und unser Gehirn offen zu machen.<\/p>\n<p>Ich sollte meinem Gehirn m\u00f6glichst viele Reize anbieten um es zu entwickeln und handlungsf\u00e4hig zu bleiben:<\/p>\n<p>&#8211; Jeder \u201ewei\u00df\u201c das Sport als Erg\u00e4nzung zu geistiger Arbeit gut ist<br \/>\n&#8211; \u201eDas Lernen eines Musikinstrumentes f\u00f6rdert die Intelligenz\u201c, hei\u00dft es<br \/>\n&#8211; \u201eSchwert (Kampf) und Pinsel (Kunst) geh\u00f6ren zusammen\u201c<br \/>\n&#8211; \u201eDas Erlernen einer Kampfkunst sollte mir der Besch\u00e4ftigung der chinesischen Klassiker kombiniert werden\u201c, soll hei\u00dfen die k\u00f6rperliche \u00dcbung soll um die geistige Schulung erweitert werden.<\/p>\n<p>Zusammenfassend: eine k\u00f6rperliche T\u00e4tigkeit sollte um eine geistige erweitert werden und umgekehrt. Selbst eine einseitige geistige T\u00e4tigkeit (das Spezialistentum in der Wissenschaft) sollte um die Besch\u00e4ftigung mit anderen geistigen Aspekten erg\u00e4nzt werden um das Wissen weiter anwenden zu k\u00f6nnen und in einen gr\u00f6\u00dferen Kontext zu stellen.<\/p>\n<p>Man muss sein Gehirn ebenso trainieren wie seinen K\u00f6rper!!!<\/p>\n<p>Ein gesunder und fitter K\u00f6rper ist ebenso wichtig wie ein gesundes und fittes Gehirn und beides interagiert miteinander.<\/p>\n<p>An dieser Stelle m\u00f6chte ich mich f\u00fcr die Ausdauer bedanken mit der du diesen Artikel gelesen hast, er war lang und es waren viele Informationen enthalten!<br \/>\nAuf diesen Informationen m\u00f6chte ich jedoch in weiteren Blogbeitr\u00e4gen aufbauen und das Verst\u00e4ndnis dieser Funktionsweise unseres Gehirns ist in sehr vielen Bereichen unseres Lebens wichtig, die KK oder die Religion sind da nur ein Bereich aber mit diesen Beiden m\u00f6chte ich mich hier, in diesem Blog, weiter besch\u00e4ftigen, da sie mein Leben entscheidend beeinflusst haben und beeinflussen.<\/p>\n<p>Schlie\u00dfen m\u00f6chte ich diesen Artikel mit einer alten indianischen Geschichte, die sehr gut zum Thema \u201eneuronale Plastizit\u00e4t\u201c und \u201eWegenetz im OFC\u201c passt:<\/p>\n<p>Eines Abends erz\u00e4hlte ein alter Cherokee-Indianer seinem Enkelsohn am Lagerfeuer von einem Kampf, der in jedem Menschen tobt. <\/p>\n<p>Er sagte: \u201eMein Sohn, der Kampf wird von zwei W\u00f6lfen ausgefochten, die in jedem von uns wohnen.\u201c<\/p>\n<p>Einer ist b\u00f6se.<br \/>\nEr ist der Zorn, der Neid, die Eifersucht, die Sorgen, der Schmerz, die Gier, die Arroganz, das Selbstmitleid, die Schuld, die Vorurteile, die Minderwertigkeitsgef\u00fchle, die L\u00fcgen, der falsche Stolz und das Ego.<br \/>\nDer andere ist gut.<br \/>\nEr ist die Freude, der Friede, die Liebe, die Hoffnung, die Heiterkeit, die Demut, die G\u00fcte, das Wohlwollen, die Zuneigung, die Gro\u00dfz\u00fcgigkeit, die Aufrichtigkeit, das Mitgef\u00fchl und der Glaube.<br \/>\nDer Enkel dachte einige Zeit \u00fcber die Worte seines Gro\u00dfvaters nach, und fragte dann: Welcher der beiden W\u00f6lfe gewinnt?<br \/>\nDer alte Cherokee antwortete: \u201eDer, den du f\u00fctterst.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich wurde in letzter Zeit oft gefragt was ich mit \u201eden Bildern\u201c meinen w\u00fcrde und wie sie denn das Training beeinflussen w\u00fcrden\u2026 Um auf die Bilder und ihre Wirkungsweise eingehen zu k\u00f6nnen muss ich jedoch zun\u00e4chst einen kleinen Ausflug in &hellip; <a href=\"https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/allgemein\/das-gehirn-und-die-bilder\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1,7,5],"tags":[11,32,33],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/592"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=592"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/592\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":599,"href":"https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/592\/revisions\/599"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=592"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=592"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=592"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}