{"id":710,"date":"2016-10-24T23:33:01","date_gmt":"2016-10-24T21:33:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/?p=710"},"modified":"2016-10-24T23:34:29","modified_gmt":"2016-10-24T21:34:29","slug":"trainingsmotivation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/allgemein\/trainingsmotivation\/","title":{"rendered":"Trainingsmotivation"},"content":{"rendered":"<p>Ich denke seit einiger Zeit oft dar\u00fcber nach, warum viele Kampfsportler so intensiv trainieren &#8230;<br \/>\nWas motiviert sie?<\/p>\n<p>Ich selbst steige nun nach meiner OP langsam wieder ins Randori ein, und das ist hart, das ist anstrengend, das ist frustrierend, manchmal sogar deprimierend, denn etliche Bewegungsabl\u00e4ufe sind w\u00e4hrend der Rekonvaleszenz regelrecht eingerostet. Sie m\u00fcssen in geduldiger, z\u00e4her Arbeit mit einem neuen Feinschliff versehen werden.<\/p>\n<p>Im Randori gibt es keine Ausreden.<br \/>\nEntweder man kann den Gegner werfen oder man kann es nicht.<br \/>\nErfahrung hilft dabei, wieder auf den vorherigen Stand des K\u00f6nnens zur\u00fcckzukehren und dann allm\u00e4hlich besser zu werden. Das aber bedeutet, da\u00df vor allem die Feinmotorik einge\u00fcbt werden mu\u00df; ganz so, als w\u00fcrde man von vorn beginnen.<br \/>\nIn gewisser Weise ist es ja auch so. Es ist ein z\u00e4hes Ringen um jeden Millimeter. Es geht nur sehr langsam voran, und das ist beinahe schon bedr\u00fcckend.<\/p>\n<p>Warum tue ich mir das an? <\/p>\n<p>Die Antwort auf diese Frage hat viel mit der urspr\u00fcnglichen Motivation zu tun, die mich schon als Kind antrieb.<br \/>\nNein, ich rede nicht (nur) davon, da\u00df ich k\u00e4mpfen k\u00f6nnen, mich verteidigen k\u00f6nnen wollte.<br \/>\nIch meine eine viel urspr\u00fcnglichere, noch sehr viel st\u00e4rkere Motivation: FREUDE.<br \/>\nIch wei\u00df nicht, wie es euch geht, aber auch nach nunmehr 44 Jahren des Trainings empfinde ich eine gro\u00dfe, reine, ungetr\u00fcbte FREUDE, sobald ich einen Fu\u00df auf die Matte setze.<\/p>\n<p>Ich habe in den vergangenen Monaten verstanden, da\u00df diese Freude der eigentliche, der wahre Grund ist, warum ich das Training trotz aller Widrigkeiten niemals aufgegeben habe. Ich habe auch in Augenblicken tiefster Verzweiflung niemals ernsthaft erwogen, die Matte f\u00fcr immer zu verlassen.<br \/>\nDenn nichts, gar nichts auf dieser Welt h\u00e4tte mir diese reine, tiefe, kristallklare FREUDE bescheren k\u00f6nnen, die mir das Judotraining gew\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Dieses Gef\u00fchl hat nichts mit Wettkampferfolgen zu tun, es ist auch nicht abh\u00e4ngig davon, welchen bunten oder schwarzen G\u00fcrtel man zuerkannt bekommt.<br \/>\nEs ist viel mehr als das.<br \/>\nWettkampferfolge vergehen und werden zur blo\u00dfen Erinnerung, wenn die Jugend vergeht, wenn man \u00e4lter wird und die Gesundheit nicht mehr so unverw\u00fcstlich ist, wie sie immer schien.<br \/>\nG\u00fcrtel sind dazu da, den Anf\u00e4nger zu motivieren &#8211; irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem sie und das damit verbundene Prestige unwichtig werden.<\/p>\n<p>Was bleibt, ist die FREUDE.<br \/>\nDieses unvergleichliche, einzigartige Gef\u00fchl, das sich zuverl\u00e4ssig schon auf der Fahrt zum Training einstellt. Dieses Gef\u00fchl, wenn man die Matte betritt, die Trainingskameraden begr\u00fc\u00dft, jene spannungsgeladene und dennoch fr\u00f6hliche Atmosph\u00e4re wahrnimmt, die man nirgendwo  sonst findet. <\/p>\n<p>FREUDE &#8230;<br \/>\nDas ist der Moment, in dem man endlich verstanden hat, wie eine bestimmte Technik funktioniert. Es ist der Moment, in dem man tief in sich die Gewi\u00dfheit versp\u00fcrt, da\u00df sich all das schwei\u00dftreibende, auslaugende Drillen gelohnt hat. Es ist aber auch der Moment, in dem man sich der n\u00e4chsten Etappe, dem n\u00e4chsten Ziel zuwendet. Freude&#8230; das ist die \u00fcberw\u00e4ltigende Erkenntnis, da\u00df das Judo niemals endet, da\u00df es immer und immer wieder etwas Neues zu entdecken, zu verstehen, da\u00df es noch mehr und immer noch mehr zu lernen gibt.<\/p>\n<p>FREUDE &#8230;<br \/>\nDas ist der Augenblick, in dem man im Randori glasklar erkennt, gleichsam erf\u00fchlt, wie und wohin man sich zu bewegen hat. Es ist der AUgenblick, in dem alles wie von selbst geschieht. Es ist der Augenblick, den man nicht erzwingen kann.<br \/>\nEs ist die Stille am Ende des Trainings, die tiefe Zufriedenheit, die der Zwilling der Ersch\u00f6pfung ist.<\/p>\n<p>FREUDE &#8230;<br \/>\nDas ist die Gewi\u00dfheit, all das schon morgen wieder erleben zu d\u00fcrfen. Morgen und \u00fcbermorgen und auch am Tag danach &#8230;<br \/>\nDieses Gef\u00fchl steht am Anfang des Weges zu uns selbst. Es ist ein Weg, der lang und steinig und steil ist, auf dem man sich verirren kann und schon oft verirrt hat. Es ist jener Weg, den man nur allein gehen kann. Es ist der Weg, der m\u00fchseliger und anstrengender ist als alle anderen.<br \/>\nDennoch geht man ihn weiter, immer weiter und weiter, denn jeder Schritt, und sei er noch so m\u00fchsam, noch so klein, noch so langsam, ist ein Schritt vorw\u00e4rts, ein Schritt hin zu jener tiefen Freude, die mit Worten zu beschreiben unm\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Was macht es da schon, da\u00df es immer Menschen geben wird, denen unsere Schritte zu klein, unser Tempo zu gering, unser Weg der falsche zu sein scheint?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich denke seit einiger Zeit oft dar\u00fcber nach, warum viele Kampfsportler so intensiv trainieren &#8230; Was motiviert sie? 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