{"id":719,"date":"2017-02-01T14:41:06","date_gmt":"2017-02-01T12:41:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/?p=719"},"modified":"2018-02-02T17:00:11","modified_gmt":"2018-02-02T15:00:11","slug":"unterrichtsdidaktik-in-den-cma","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/allgemein\/unterrichtsdidaktik-in-den-cma\/","title":{"rendered":"Unterrichtsdidaktik in den CMA"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/img_4211.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-718\" src=\"https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/img_4211.jpg\" alt=\"\" width=\"1088\" height=\"1008\" srcset=\"https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/img_4211.jpg 1088w, https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/img_4211-300x278.jpg 300w, https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/img_4211-768x712.jpg 768w, https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/img_4211-1024x949.jpg 1024w, https:\/\/www.judo-blog.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/img_4211-324x300.jpg 324w\" sizes=\"(max-width: 1088px) 100vw, 1088px\" \/><\/a><br \/>\nWie die Grafik zeigt beinhalten die chinesischen Kampfk\u00fcnste die Bereiche Geist, K\u00f6rper und Technik\/Anwendungen. F\u00fcr jeden Teilbereich gibt es spezielle \u00dcbungen, die alle miteinander verbunden sind und aufeinander aufbauen. Technik, bzw. die Effektivit\u00e4t der Anwendungen, ist abh\u00e4ngig von den k\u00f6rperlichen Skills und die Entwicklung dieser ben\u00f6tigt die richtigen \u201eIdeen\u201c im Geist. Diese Ideen wiederum ben\u00f6tigt man zum Verst\u00e4ndnis der Techniken und der effektiven Durchf\u00fchrung.<\/p>\n<p>Des weiteren werden durch die \u201egeistige Arbeit\u201c sehr viel mehr Dinge bzgl. des Mindsets und des Verhaltens geschult, die wiederum in einer Kompetenz im Umgang mit Gewalt m\u00fcnden, was wiederum dazu f\u00fchrt die Techniken effektiver unter Lebensgefahr einzusetzen. Der K\u00f6rper ist dabei ein wichtiges \u00dcbungsinstrument.<\/p>\n<p>Eine vollst\u00e4ndige authentische Linie hat in allen Teilbereichen Trainingsmaterial, das aufeinander abgestimmt ist und letztendlich diese Tradition ausmacht. Damit diese Inhalte strukturiert gelehrt werden k\u00f6nnen gibt es ein Curriculum f\u00fcr Sch\u00fcler, welches sich bew\u00e4hrt hat.<\/p>\n<p>Jetzt muss man wissen dass jede dieser Inhalte wie eine Zwiebel aufgebaut ist. Man zeigt immer nur eine Schale, eine Schicht. In der Regel wird mit den einfachen Anwendungen angefangen, dazu die grundlegenden Ideen und k\u00f6rperlichen \u00dcbungen. Je weiter man kommt desto tiefer geht es, man n\u00e4hert sich also dem Punkt auf dem Bild an, in dem alles ineinander greift. Dem Kern der Lehre.<\/p>\n<p>Ein solches Lehrprinzip hat den Vorteil das man die Leute schnell fit und wehrhaft bekommt in dem man die einfachen Techniken und K\u00f6rper\u00fcbungen zeigt und ihnen darauf abgestimmte Ideen gibt. Letztendlich bewegt man sich damit aber dennoch nur auf der \u00e4u\u00dferen Schale.<\/p>\n<p>Man kann den Leuten auch nur Teilbereiche zeigen, z.B. nur k\u00f6rperliche \u00dcbungen oder nur Techniken\/Anwendungen, je nachdem was man bewirken will. Ein solches Prinzip f\u00fchrt nat\u00fcrlich dazu dass unterschiedliche Leute unterschiedliche Dinge unter ein und derselben Kampfkunst verstehen.<\/p>\n<p>Die CMA mussten nat\u00fcrlich auch eine konkrete Methode finden um ihre Aus\u00fcbenden schnell wehrhaft zu bekommen und sie realistisch auszubilden. Dabei gibt es zu bedenken dass man es sich in der damaligen Zeit nicht erlauben konnte f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit verletzt auszufallen. Es gab keine Krankenversicherung und die medizinischen M\u00f6glichkeiten waren eingeschr\u00e4nkt. Ein Bruch konnte rasch zur Arbeitsunf\u00e4higkeit f\u00fchren (was einer sozialen Katastrophe gleich kam) und eine infizierte Wunde konnte schnell t\u00f6dlich enden.<\/p>\n<p>Man ging in der Ausbildung also zun\u00e4chst den Weg den \u00dcbenden den wichtigsten Teil zu zeigen: Die Schl\u00e4ge, St\u00f6\u00dfe, Schnitte und W\u00fcrfe mit diversen Waffen.<br \/>\nDie konkreten Techniken waren das Fundament der Ausbildung. Sie wurden zun\u00e4chst alleine (in Form von Drills) ge\u00fcbt, um die Bewegung einzuschleifen, und dann aber auch sofort am Partner, um sie immer wieder und wieder zu \u00fcben.<br \/>\nWenn man nur wenige Wochen Zeit f\u00fcr die Grundausbildung hat, dann muss man sich auf das Essentielle konzentrieren: Das was den anderen t\u00f6tet, verst\u00fcmmelt, kampfunf\u00e4hig macht.<\/p>\n<p>Diese Art des Trainings schult eine bestimmte psychische Einstellung: &#8222;T\u00f6te, oder werde get\u00f6tet&#8220;. Soldaten k\u00f6nnen es sich nicht leisten Mitleid zu haben. Aus diesem Grund wurden sie darauf gedrillt immer eine ihrer gelernten Anwendungen anzubringen, um den Kampf m\u00f6glichst schnell und effizient zu beenden.<br \/>\nDie Art der Anwendungen f\u00fchrte parallel zu einer Desensibilisierung gegen\u00fcber der Aus\u00fcbung von k\u00f6rperlicher, t\u00f6dlicher, Gewalt, denn die Techniken beinhalteten nat\u00fcrlich auch das Wissen um die menschliche Anatomie. Es wurde gelehrt wo man sich hindrehen muss wenn man bestimmte Gef\u00e4\u00dfe durchschneidet, (damit einem das Blut nicht in die Augen spritzt), wie man das Schwert aus hervorquellenden Darmschlingen am effektivsten befreit, wie man verhindert dass ein durchbohrter K\u00f6rper auf dem Speerschaft h\u00e4ngen bleibt etc. F\u00fcr einen heutigen Menschen des 21. Jhd. in Mitteleuropa h\u00f6ren sich diese Dinge erst einmal befremdlich an, f\u00fcr einen Menschen der damaligen Zeit waren tote und verst\u00fcmmelte Menschen jedoch Alltag.<\/p>\n<p>Das \u00dcben der Anwendungen alleine reicht jedoch nat\u00fcrlich noch nicht aus um sich gegen einen, sich wehrenden, Gegner behaupten zu k\u00f6nnen, zumal ein &#8222;freies&#8220;, unkooperatives, Training mit Waffen nicht ungef\u00e4hrlich ist. Aus diesem Grund gab es das sogenannte &#8222;Boxen&#8220;, den unbewaffneten Kampf.<br \/>\nDie Bewegungen der bewaffneten Anwendungen lassen sich alle auf unbewaffnete Techniken \u00fcbertragen, zumal viele Anwendungen starke ringerische Anteile haben. Auch die Theorien des Kampfes \u00fcber Fu\u00dfarbeit, Koordination etc. (wie es sie z.B. in den Speeranwendungen gibt) l\u00e4sst sich sehr gut im unbewaffneten Ringen \u00fcben.<br \/>\nIn dem unbewaffneten Kampf \u00fcbt man also sich in eine Lage zu bringen um die eigentlichen, finalen, Anwendungen durchzuf\u00fchren. Da diese Anwendungen (neben Schnitten und Stichen) sehr oft aus W\u00fcrfen auf den Hinterkopf bestehen, oder W\u00fcrfe beinhalten, die Extremit\u00e4ten stark verletzen, wird der Abschluss im freien Kampf oft nur angedeutet.<br \/>\nDiese Art des freien \u00dcbens nennt sich in den CMA &#8222;schiebende H\u00e4nde&#8220; (Push Hands). Das &#8222;andeuten&#8220; kann dann ein &#8222;den Kopf greifen&#8220; sein, oder ein &#8222;Schubsen&#8220; des zuvor destabilisierten Gegners etc. In dieser Form des \u00dcbens geht es dann darum den Gegner so zu manipulieren dass man ihn kontrollieren kann. Dies erfordert ein hohes Ma\u00df an koordinativen F\u00e4higkeiten des eigenen K\u00f6rpers und ein gutes Verst\u00e4ndnis von Bewegung allgemein, bzw. wie Bewegung zwischen zwei Menschen stattfindet.<\/p>\n<p>Aus dieser Art des \u00dcbens entwickelten sich dann Theorien \u00fcber verschiedene &#8222;Kr\u00e4fte&#8220; und wie diese sich anwenden lassen. Im eigenen K\u00f6rper und in Beziehung zum anderen K\u00f6rper. Diese Theorien lassen sich dann nat\u00fcrlich auch wieder zur\u00fcck auf die Waffen \u00fcbertragen und mit ihnen besser verstehen, da dort einfach andere Hebel und Kr\u00e4fte wirken k\u00f6nnen. Die Waffen verbessern das Verst\u00e4ndnis des K\u00f6rpers und der K\u00f6rper das Verst\u00e4ndnis der Waffen. Beides erh\u00f6ht die Effektivit\u00e4t der Anwendungen.<\/p>\n<p>Wie das Wort &#8222;Theorie&#8220; schon vermuten l\u00e4sst ist bei dieser Art des Trainings auch immer der Verstand involviert. Er ist, mit seinen verschiedenen Ebenen (rationaler Anteil, emotionaler Anteil), der Motor des Ganzen.<br \/>\nAuf einer sehr einfachen Ebene brauche ich meinen Verstand zun\u00e4chst um die Anwendungen zu lernen. Konkrete Techniken durch Kopieren merken und so internalisieren dass ich sie jederzeit abrufen kann. Auswendiglernen durch Kopieren.<\/p>\n<p>Auf der Ebene der koordinativen F\u00e4higkeiten wird das Ganze schon komplexer. Ich muss dazu ein &#8222;<a href=\"https:\/\/bagua-zhang.eu\/?page_id=45\">inneres Bild<\/a>&#8220; meines K\u00f6rpers erzeugen und lernen dieses Bild gem\u00e4\u00df definierter Regeln anzuwenden (welche ich nat\u00fcrlich auch erst lernen und verstehen muss).<br \/>\nDieses &#8222;innere Bild&#8220; wird immer weiter ausgebaut, immer komplexer, immer detailreicher. Immer wenn ich das Bild erweitert habe (siehe &#8222;<a href=\"https:\/\/bagua-zhang.eu\/?page_id=133\">multikodierte neuronale Netze<\/a>&#8222;), erm\u00f6glicht dies es mir meinen K\u00f6rper komplexer zu benutzen um verschiedene Theorien des Kampfes besser umsetzen zu k\u00f6nnen (bzw. diese erst zu verstehen). Dieser Ausbau der multikodierten neuronalen Netze ist gemeint wenn wir von den &#8222;Schichten der Zwiebel&#8220; reden.<br \/>\nDas macht die &#8222;<a href=\"https:\/\/bagua-zhang.eu\/?page_id=232\">Kunst<\/a>&#8220; aus.<\/p>\n<p>Am einfachsten kann man die K\u00f6rperarbeit mit der Franklin- oder Feldenkraismethode der heutigen Zeit vergleichen. Man lernt seinen K\u00f6rper \u00fcber Bilder\/Ideen, die der Verstand erzeugt und versteht, effektiver und komplexer zu bewegen.<\/p>\n<p>Was ist nun der Unterschied der CMA zu Feldenkrais oder Franklin?<\/p>\n<p>Der Verstand\/Geist. In den CMA haben sich diese Ideen vor dem Hintergrund eines konfuzianischen soziokulturellen Kontextes entwickelt und wurden auch stark von den vorherrschenden Religionen (Taoismus und Buddhismus) beeinflusst.<br \/>\nUnser Verstand ist abh\u00e4ngig von dem Kontext in dem er sich entwickelt. Ideen werden auf Grundlage des jeweiligen Kontextes geboren. Kunst sieht in Europa anders aus als in Asien oder Afrika. Kunst heute sieht anders aus als Kunst im 14. Jhd. oder der Steinzeit.<br \/>\nDie CMA haben zum \u00dcben dieser Ideen eine spezielle Methodik entwickelt: Das &#8222;Stehen&#8220; und verschiedene Formen von bewegten \u00dcbungen. Ziel dieser \u00dcbungen ist es die &#8222;Kr\u00e4fte&#8220; besser zu verstehen und im eigenen K\u00f6rper besser wahrzunehmen, bzw. zu kontrollieren.<br \/>\nIm \u00dcben mit einem sich wehrenden Gegner ist es schwierig in den eigenen K\u00f6rper hineinzuh\u00f6ren oder bestimmte Ideen umzusetzen. Daher \u00fcbt man dies zun\u00e4chst im Stehen und dann in bewegten \u00dcbungen. Einige Richtungen der CMA lassen das Stehen weg und \u00fcben dies direkt in der Bewegung. Die Bewegungen k\u00f6nnen einfach sein, oder aber auch schon komplexe Bewegungen enthalten, die dann (im Kampfkunstkontext) schon die konkreten Anwendungen enthalten (teils auch entstanden aus den Drill\u00fcbungen der Anwendungen). Dies sind dann die sog. &#8222;Formen&#8220; oder &#8222;Kata&#8220;.<\/p>\n<p>Wir sehen das der Kern einer KAMPFkunst die Anwendungen sind. Sie sind das letztendliche Ziel um im Kampf zu \u00fcberleben. Um dieses Ziel zu erreichen muss man die K\u00f6rperkoordination trainieren und die Theorien des Kampfes verstehen. Eingebettet sind diese Dinge in den verschiedenen Ideen, die dem Verstand\/Geist entspringen und von dem soziokulturellen Kontext stark beeinflusst sind.<\/p>\n<p>Im Laufe der Zeit haben sich in den verschiedenen Richtungen\/Stilen der CMA die unterschiedlichsten Schwerpunkte gebildet, vor allem zu Beginn des 20. Jhd.:\u00a0Die Anwendungen mit Klingenwaffen wurden obsolet und die &#8222;St\u00e4rkung des Volkes&#8220; in Kombination mit der Abkehr vom &#8222;\u00fcberholten Alten&#8220; stand im Zentrum des Wandels der Kampfk\u00fcnste.<\/p>\n<p>Waren vorher die Anwendungen das eigentliche Ziel stand nun das Training des K\u00f6rpers im Mittelpunkt und &#8222;\u00fcberholte alte Ideen&#8220; wichen neueren, &#8222;moderneren&#8220;.<\/p>\n<p>Einen Lehrer zu finden, der alle Bereiche einer Kampfkunst gezeigt bekommen hat und selber in der Lage ist die \u201ekomplette Zwiebel\u201c zu zeigen ist schwer, aber die Suche lohnt sich!!!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie die Grafik zeigt beinhalten die chinesischen Kampfk\u00fcnste die Bereiche Geist, K\u00f6rper und Technik\/Anwendungen. F\u00fcr jeden Teilbereich gibt es spezielle \u00dcbungen, die alle miteinander verbunden sind und aufeinander aufbauen. 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